
Die gemeine Schafgarbe, Heilpflanze des Jahres 2025, stärkt die Gallenproduktion und die könnte einem hochkommen, wenn man sie betrachtet, die selbstzufriedenen Autokraten dieser Welt. Menschen, so gallig, so giftig, so unversöhnlich… damit ist die Wirkung der Schafgarbe symptomatisch für den geopolitischen Zustand unserer Welt des Jahres 2025: entzünden statt heilen. Gerüchten zufolge haben Erdogan, Putin, Trump und Xi – sowie alle anderen Welthobbykrieger -Schafgarbentee inzwischen zum offiziellen Staatsgetränk erklärt.
Auf der Weltklimakonferenz in Belém einigen sich die teilnehmenden Staaten darauf, „viel ehrgeiziger zu werden“ – aber noch nicht jetzt. Dem steht das „Klimakatastrophen-Premium-Abo“ entgegen: auch 2025 nimmt die Gletscherschmelze weiter rapide zu, „Klimaziele“ werden bereits bedeutend vorher erreicht als erwartet: wenn das kein Erfolg ist! Hierzu passen auch neuere Erkenntnisse zur Verlangsamung des sogenannten Golfstroms (AMOC), die eine beschleunigte Austrocknung Europas und einen radikalen Temperatursturz der nördlichen Hemisphäre zur Folge haben könnte. Dann hätte Mailand ungefähr das Klima von Montreal, und alle, die sich über die Klimaerwärmung Sorgen machten, wären Lügen gestraft. Donald Trump hätte also wieder recht: „Klimapolitik ist der größte Betrug aller Zeiten.“
Aber wer hört schon auf die Wissenschaft in diesen Zeiten. Autokratien negieren Geschichte, Wissen und Wissenschaft. Statt die Wissenschaft zu fördern, die uns in die Lage versetzt, das Leben, das Universum und unsere eigene Existenz besser zu verstehen, wird in USA das Bildungsministerium abgeschafft. Dann können wir uns wieder auf den Weg machen, die Erde als Scheibe zu verstehen. Als Scheibe können die Polkappen der Erde nicht abschmelzen, womit dann die Erderwärmung endgültig widerlegt wäre.
Donald Trump erklärt uns 2025 die Welt immer besser: „Ich sage nie einfach Kohle, sondern nur schöne und saubere Kohle. Das klingt besser oder nicht?“ „Umweltschützer wollen alle Kühe töten, denke ich.“ „Windräder töten Vögel. Außerdem sind sie hässlich. Und sie mögen mich nicht.“ Statt Windrädern, die verboten werden (!), initiiert er eine neue nationale Energiestrategie: „Drill, baby, drill!“ („Bohrt, Leute, bohrt!“). Das alles sagt (nur ein kleiner Auszug) der Präsident der größten Volkswirtschaft der Welt, nebenbei der Schutzmacht, auf die wir uns Jahrzehnte verlassen haben.
Wenn man das Jahr 2025 auf vier Reizwörter reduzieren müsste, wären es wohl: Attentate, Kriege, Umweltkatastrophen und Zölle –das Quattro Infernale, die apokalyptischen vier Grundzutaten dieses globalen Hölleneintopfs. Zum Thema Krieg passt die Ernennung des Kriegsministers („Secretary of War“) Pete Hegseth, der passend zu seinem Amt verantwortet, dass zwei schiffbrüchige Überlebende eines amerikanischen Angriffs auf ein angebliches Drogenboot durch eine zweite Attacke („Double-Tap“) hingerichtet werden: der mündliche Befehl des eifrigen Kriegsministers lautete, „alle an Bord zu töten“. Man darf nur hoffen, nicht im falschen Boot zu sitzen! Und die großen und kleinen Kriege der Welt? Letztlich alles beim „Alten“, „lynchen läuft“: Gaza, Jemen, Myanmar, Ostkongo, Sahel, Sudan, Ukraine etc.: „Nichts Neues beim Meucheln!“
Die USA präsentieren sich 2025 im Modus „royaler Ballsaal trifft Autokratie“: Neuer pompöser Ballssal im Weißen Haus, für mehr als 1.000 Trump-Fans oben im Showroom, Abschaffung von unabhängiger Justiz, Universitäten und Meinungsfreiheit unten im Maschinenraum. Das Ganze assistiert von Vize J.D. Vance, der die moralische Mission Amerikas mit Wahlempfehlungen für ultra-rechte Parteien beweist und die Meinungsfreiheit gefährdet sieht, weil nicht ganz Europa begeistert Beifall klatscht.
Willkommen in Trumperica: dem ersten Land der Welt, das Monarchie, Reality-Show, Kleptokratie und diktaturähnliche Insolvenzverwaltung zugleich ist. Und bitte immer nett über dieses Land und seinen größten aller Präsidenten sprechen, sonst gibt es US-Sanktionen, wie gegen den Internationalen Strafgerichtshof und dessen Führungsmannschaft, die dann in vorauseilendem Gehorsam amerikanischer IT-Dienstleister von ihren Daten ausgesperrt werden, wie z.B. E-Mails und Clouds. Vielleicht eine kleine Motivation, sich in Europa etwas unabhängiger von amerikanischen IT-Diensten zu machen. Die 32 Millionen Anwender(innen) in Deutschland, die vom Supportende von Windows 10 betroffen waren, können diese Abhängigkeit 2025 ebenfalls gut bewerten.
Wirtschaftswissenschaftler diskutieren 2025 darüber, ob ein „Trottel-Risiko-Aufschlag“ für Staatsanleihen der USA gelten müsste. Kein Witz: dieser Begriff wurde reaktiviert, geprägt einst vom britischen Analysten Dario Perkins als „Moron Risk Premium“ – der Risikoaufschlag für Staatsanleihen in Ländern, deren Regierungschef objektiv als „Trottel“ einzustufen ist. Auch wenn sich dieser „Moron“ selbst für die hellste Kerze des Universums hält, indem er die Unabhängigkeit der Notenbank attackiert, Zölle nach Würfelwurf erhebt und China bedroht, mit knapp 800 Milliarden $ einer der ausländischen Hauptgläubiger Amerikas. Aber die USA denken in anderen Dimensionen, so erhält Elon Musk, ehemals „Best Buddy“ des Präsidenten, 2025 ein Vergütungspaket, das bei Erreichung (allerdings sehr) ambitionierter Ziele 1.000 Milliarden $ betragen könnte, …für eine einzelne Person. Mit anderen Worten, es geht um ca. das Doppelte des viel diskutierten auf ca. zehn Jahre angelegten deutschen Sondervermögens, das eine Volkswirtschaft von mehr als 80 Millionen Menschen betrifft. Ein Schelm, der dabei denkt, dass so manche Dinge maßlos aus den Fugen geraten (sein) könnten.
Als wenn das nicht größenwahnsinnig genug wäre, meint Elon Musk, der Mond sei ihm als Ziel zu provinziell, weshalb man mindestens den Mars kolonisieren müsste, der aber tendenziell zu eng sei und der Neptun genau richtig. Auf dem langen Flug dorthin könnten die Passagiere lang darüber nachdenken, ob Pluto ein Planet ist und apropos: Vielleicht könnte man Musk wenigstens bei der Erstellung der Passagierliste helfen, ich wäre neben Musk z.B. für Bezos, Erdogan(g), Kim Jong Un, Lukaschenko, Putin, Trump, Vance, Xi, Zuckerberg und nicht zu vergessen, Bibi Netanjahu für etwaige Aufräumarbeiten vor Ort. Sollte Musk die 1.000 Milliarden Dollar für den Space-Trip und die Organisation dieser Reise(truppe) erhalten, wäre das Geld gut investiert: die EU, die laut Trump nur „…existiert, um Amerika über den Tisch zu ziehen“, müsste ohne diese Helden nicht mehr so um ihre Existenz fürchten, insbesondere seit Donald „die Russen ermutigt, mit (hinsichtlich der Nato-Beitragszahlung) unwilligen Europäern zu tun, was immer zur Hölle sie möchten“ (beides Originalzitate!). Gratulation zum „Alaska-Handschlag“ des Diktators mit dem, der gerne einer wäre: Deals macht man halt auf Kosten anderer.
Vermutlich sollten wir die Macht schneller an die KI übergeben als bisher gedacht. Wir geben ihr dann den Auftrag, die Welt zu retten und ruck-zuck wäre der Mensch von der Erdoberfläche verschwunden. Welch ein Glück, dass Elon und seine Truppe dann auf Neptun die Menschheit neu auferstehen lassen können. Vielleicht sollten sie dann unsere EU-Kommissionspräsidentin noch mit auf die Reise nehmen: sieben Kinder hat sie immerhin der Welt geschenkt.
Zum Jahresabschluss dann das surreale Dreamteam: Präsident Infantino und Präsident Infantilo. Der „Ballpräsident“ überreicht den „Fußball-Friedens-Ersatz-Nobelpreis“. Der blonde (FIFA-)Fiffi auf Donalds Kopf bebt vor postmaskuliner Freude. Zwei Männer, die es gemeinsam schaffen, die Weltbühne in eine Mischung aus Mister Universum Contest, Comedy-Abend und geopolitischer Drohkulisse zu verwandeln. Wenn das die Krone der Schöpfung ist, was ist dann mit dem Rest?
Aber es gibt auch Äußerungen, die Mut machen in diesem Jahr: Papst Leo XIV., Amerikaner mit mehr Rückgrat als seine Schweizer Gardisten, stellt klar: „Wer Ungeborene schützen will, aber Lebende misshandelt, ist nicht für das Leben.“ Und Bill Gates in der New York Times nach den drastischen Kürzungen der amerikanischen Entwicklungshilfe USAID infolge Elon Musks „heldenhaftem Einsatz“ für die Regierungseffizienz (DOGE): „Der reichste Mensch der Welt hat eine Rolle beim Tod der ärmsten Kinder der Welt gespielt.“
So viel zur großen Welt. Und zuhause? Da dilettieren wir so vor uns hin, retten die Deutsche Bahn mit dem Ziel 50-prozentiger Pünktlichkeit und die marode Wirtschaft mit dem kleinen Aus vom „Verbrenner-Aus“. Nebenbei riskieren wir die noch einigermaßen frische „Neo-Groko“, um die AfD schneller an die Macht zu bringen, mit einem unmelodischen Dreiklang: einer Kanzlerwahl gefühlt auf dem letzten Drücker, Verfassungsrichterin-Wahl-Inferno und „JU-Renten-Revolte“. Dass Schulden und hohe Rentenlasten nicht mehr von den „Boomern“, sondern eher deren (Ur-)Enkeln geschultert werden müssen, ist 2025 schon ziemlich überraschend gewesen, so wie Heiligabend am 24. Dezember oder die Erkenntnis, dass wir vielleicht länger arbeiten müssen, wenn wir durchschnittlich länger leben. Naja, da hätte Wladimir als Heilsbringer ja eine russisch-eurasische Imperiums-Lösung im Köcher: für demokratische Europäer garantiert lebensverkürzend. Und schon wieder ein Problem gelöst. Orwell hat zu kurz gegriffen und blöde nur, wenn man nicht linksrheinisch wohnt. „Widerstand ist zwecklos, Sie werden assimiliert.“
Die Schafgarbe ist bitter. 2025 war es auch. Aber selbst bittere Pflanzen heilen, wenn man ihnen Zeit lässt. Hoffnung machen auch neue Simulationen im Juni 2025, nach denen die Andromeda-Milchstraßen-Kollision in ca. 10 Milliarden Jahren nur noch eine Eintrittswahrscheinlichkeit von unter 50% hat: uff!
Vielleicht gelingt es uns 2026, Wissen wieder über Populismus zu stellen, Wahrheit über Lautstärke und Zukunft über fossile Nostalgie. Arbeiten wir GEMEINSAM daran, dann haben wir eine reelle Chance!
Merry Xmas and a Happy New Year 😊 wünscht Barnabas Hinkjambus









