Der Weihnachtsmann kommt und bringt wieder einmal…                                  …ganz andere Weihnachtsgrüße 2025

Die gemeine Schafgarbe, Heilpflanze des Jahres 2025, stärkt die Gallenproduktion und die könnte einem hochkommen, wenn man sie betrachtet, die selbstzufriedenen Autokraten dieser Welt. Menschen, so gallig, so giftig, so unversöhnlich… damit ist die Wirkung der Schafgarbe symptomatisch für den geopolitischen Zustand unserer Welt des Jahres 2025: entzünden statt heilen. Gerüchten zufolge haben Erdogan, Putin, Trump und Xi – sowie alle anderen Welthobbykrieger -Schafgarbentee inzwischen zum offiziellen Staatsgetränk erklärt.

Auf der Weltklimakonferenz in Belém einigen sich die teilnehmenden Staaten darauf, „viel ehrgeiziger zu werden“ – aber noch nicht jetzt. Dem steht das „Klimakatastrophen-Premium-Abo“ entgegen: auch 2025 nimmt die Gletscherschmelze weiter rapide zu, „Klimaziele“ werden bereits bedeutend vorher erreicht als erwartet: wenn das kein Erfolg ist! Hierzu passen auch neuere Erkenntnisse zur Verlangsamung des sogenannten Golfstroms (AMOC), die eine beschleunigte Austrocknung Europas und einen radikalen Temperatursturz der nördlichen Hemisphäre zur Folge haben könnte. Dann hätte Mailand ungefähr das Klima von Montreal, und alle, die sich über die Klimaerwärmung Sorgen machten, wären Lügen gestraft. Donald Trump hätte also wieder recht: „Klimapolitik ist der größte Betrug aller Zeiten.“ 

Aber wer hört schon auf die Wissenschaft in diesen Zeiten. Autokratien negieren Geschichte, Wissen und Wissenschaft. Statt die Wissenschaft zu fördern, die uns in die Lage versetzt, das Leben, das Universum und unsere eigene Existenz besser zu verstehen, wird in USA das Bildungsministerium abgeschafft. Dann können wir uns wieder auf den Weg machen, die Erde als Scheibe zu verstehen. Als Scheibe können die Polkappen der Erde nicht abschmelzen, womit dann die Erderwärmung endgültig widerlegt wäre.

Donald Trump erklärt uns 2025 die Welt immer besser: „Ich sage nie einfach Kohle, sondern nur schöne und saubere Kohle. Das klingt besser oder nicht?“ „Umweltschützer wollen alle Kühe töten, denke ich.“ „Windräder töten Vögel. Außerdem sind sie hässlich. Und sie mögen mich nicht.“ Statt Windrädern, die verboten werden (!), initiiert er eine neue nationale Energiestrategie: „Drill, baby, drill!“ („Bohrt, Leute, bohrt!“). Das alles sagt (nur ein kleiner Auszug) der Präsident der größten Volkswirtschaft der Welt, nebenbei der Schutzmacht, auf die wir uns Jahrzehnte verlassen haben. 

Wenn man das Jahr 2025 auf vier Reizwörter reduzieren müsste, wären es wohl: Attentate, Kriege, Umweltkatastrophen und Zölle –das Quattro Infernale, die apokalyptischen vier Grundzutaten dieses globalen Hölleneintopfs. Zum Thema Krieg passt die Ernennung des Kriegsministers („Secretary of War“) Pete Hegseth, der passend zu seinem Amt verantwortet, dass zwei schiffbrüchige Überlebende eines amerikanischen Angriffs auf ein angebliches Drogenboot durch eine zweite Attacke („Double-Tap“) hingerichtet werden: der mündliche Befehl des eifrigen Kriegsministers lautete, „alle an Bord zu töten“. Man darf nur hoffen, nicht im falschen Boot zu sitzen! Und die großen und kleinen Kriege der Welt? Letztlich alles beim „Alten“, „lynchen läuft“: Gaza, Jemen, Myanmar, Ostkongo, Sahel, Sudan, Ukraine etc.: „Nichts Neues beim Meucheln!“

Die USA präsentieren sich 2025 im Modus „royaler Ballsaal trifft Autokratie“: Neuer pompöser Ballssal im Weißen Haus, für mehr als 1.000 Trump-Fans oben im Showroom, Abschaffung von unabhängiger Justiz, Universitäten und Meinungsfreiheit unten im Maschinenraum. Das Ganze assistiert von Vize J.D. Vance, der die moralische Mission Amerikas mit Wahlempfehlungen für ultra-rechte Parteien beweist und die Meinungsfreiheit gefährdet sieht, weil nicht ganz Europa begeistert Beifall klatscht.

Willkommen in Trumperica: dem ersten Land der Welt, das Monarchie, Reality-Show, Kleptokratie und diktaturähnliche Insolvenzverwaltung zugleich ist. Und bitte immer nett über dieses Land und seinen größten aller Präsidenten sprechen, sonst gibt es US-Sanktionen, wie gegen den Internationalen Strafgerichtshof und dessen Führungsmannschaft, die dann in vorauseilendem Gehorsam amerikanischer IT-Dienstleister von ihren Daten ausgesperrt werden, wie z.B. E-Mails und Clouds. Vielleicht eine kleine Motivation, sich in Europa etwas unabhängiger von amerikanischen IT-Diensten zu machen. Die 32 Millionen Anwender(innen) in Deutschland, die vom Supportende von Windows 10 betroffen waren, können diese Abhängigkeit 2025 ebenfalls gut bewerten.

Wirtschaftswissenschaftler diskutieren 2025 darüber, ob ein „Trottel-Risiko-Aufschlag“ für Staatsanleihen der USA gelten müsste. Kein Witz: dieser Begriff wurde reaktiviert, geprägt einst vom britischen Analysten Dario Perkins als „Moron Risk Premium“ – der Risikoaufschlag für Staatsanleihen in Ländern, deren Regierungschef objektiv als „Trottel“ einzustufen ist. Auch wenn sich dieser „Moron“ selbst für die hellste Kerze des Universums hält, indem er die Unabhängigkeit der Notenbank attackiert, Zölle nach Würfelwurf erhebt und China bedroht, mit knapp 800 Milliarden $ einer der ausländischen Hauptgläubiger Amerikas. Aber die USA denken in anderen Dimensionen, so erhält Elon Musk, ehemals „Best Buddy“ des Präsidenten, 2025 ein Vergütungspaket, das bei Erreichung (allerdings sehr) ambitionierter Ziele 1.000 Milliarden $ betragen könnte, …für eine einzelne Person. Mit anderen Worten, es geht um ca. das Doppelte des viel diskutierten auf ca. zehn Jahre angelegten deutschen Sondervermögens, das eine Volkswirtschaft von mehr als 80 Millionen Menschen betrifft.  Ein Schelm, der dabei denkt, dass so manche Dinge maßlos aus den Fugen geraten (sein) könnten.

Als wenn das nicht größenwahnsinnig genug wäre, meint Elon Musk, der Mond sei ihm als Ziel zu provinziell, weshalb man mindestens den Mars kolonisieren müsste, der aber tendenziell zu eng sei und der Neptun genau richtig. Auf dem langen Flug dorthin könnten die Passagiere lang darüber nachdenken, ob Pluto ein Planet ist und apropos: Vielleicht könnte man Musk wenigstens bei der Erstellung der Passagierliste helfen, ich wäre neben Musk z.B. für Bezos, Erdogan(g), Kim Jong Un, Lukaschenko, Putin, Trump, Vance, Xi, Zuckerberg und nicht zu vergessen, Bibi Netanjahu für etwaige Aufräumarbeiten vor Ort. Sollte Musk die 1.000 Milliarden Dollar für den Space-Trip und die Organisation dieser Reise(truppe) erhalten, wäre das Geld gut investiert: die EU, die laut Trump nur „…existiert, um Amerika über den Tisch zu ziehen“, müsste ohne diese Helden nicht mehr so um ihre Existenz fürchten, insbesondere seit Donald „die Russen ermutigt, mit (hinsichtlich der Nato-Beitragszahlung) unwilligen Europäern zu tun, was immer zur Hölle sie möchten“ (beides Originalzitate!). Gratulation zum „Alaska-Handschlag“ des Diktators mit dem, der gerne einer wäre: Deals macht man halt auf Kosten anderer.

Vermutlich sollten wir die Macht schneller an die KI übergeben als bisher gedacht. Wir geben ihr dann den Auftrag, die Welt zu retten und ruck-zuck wäre der Mensch von der Erdoberfläche verschwunden. Welch ein Glück, dass Elon und seine Truppe dann auf Neptun die Menschheit neu auferstehen lassen können. Vielleicht sollten sie dann unsere EU-Kommissionspräsidentin noch mit auf die Reise nehmen: sieben Kinder hat sie immerhin der Welt geschenkt.

Zum Jahresabschluss dann das surreale Dreamteam: Präsident Infantino und Präsident Infantilo. Der „Ballpräsident“ überreicht den „Fußball-Friedens-Ersatz-Nobelpreis“. Der blonde (FIFA-)Fiffi auf Donalds Kopf bebt vor postmaskuliner Freude. Zwei Männer, die es gemeinsam schaffen, die Weltbühne in eine Mischung aus Mister Universum Contest, Comedy-Abend und geopolitischer Drohkulisse zu verwandeln. Wenn das die Krone der Schöpfung ist, was ist dann mit dem Rest?

Aber es gibt auch Äußerungen, die Mut machen in diesem Jahr: Papst Leo XIV., Amerikaner mit mehr Rückgrat als seine Schweizer Gardisten, stellt klar: „Wer Ungeborene schützen will, aber Lebende misshandelt, ist nicht für das Leben.“ Und Bill Gates in der New York Times nach den drastischen Kürzungen der amerikanischen Entwicklungshilfe USAID infolge Elon Musks „heldenhaftem Einsatz“ für die Regierungseffizienz (DOGE): „Der reichste Mensch der Welt hat eine Rolle beim Tod der ärmsten Kinder der Welt gespielt.“

So viel zur großen Welt. Und zuhause? Da dilettieren wir so vor uns hin, retten die Deutsche Bahn mit dem Ziel 50-prozentiger Pünktlichkeit und die marode Wirtschaft mit dem kleinen Aus vom „Verbrenner-Aus“. Nebenbei riskieren wir die noch einigermaßen frische „Neo-Groko“, um die AfD schneller an die Macht zu bringen, mit einem unmelodischen Dreiklang: einer Kanzlerwahl gefühlt auf dem letzten Drücker, Verfassungsrichterin-Wahl-Inferno und „JU-Renten-Revolte“. Dass Schulden und hohe Rentenlasten nicht mehr von den „Boomern“, sondern eher deren (Ur-)Enkeln geschultert werden müssen, ist 2025 schon ziemlich überraschend gewesen, so wie Heiligabend am 24. Dezember oder die Erkenntnis, dass wir vielleicht länger arbeiten müssen, wenn wir durchschnittlich länger leben. Naja, da hätte Wladimir als Heilsbringer ja eine russisch-eurasische Imperiums-Lösung im Köcher: für demokratische Europäer garantiert lebensverkürzend. Und schon wieder ein Problem gelöst. Orwell hat zu kurz gegriffen und blöde nur, wenn man nicht linksrheinisch wohnt. „Widerstand ist zwecklos, Sie werden assimiliert.“

Die Schafgarbe ist bitter. 2025 war es auch. Aber selbst bittere Pflanzen heilen, wenn man ihnen Zeit lässt. Hoffnung machen auch neue Simulationen im Juni 2025, nach denen die Andromeda-Milchstraßen-Kollision in ca. 10 Milliarden Jahren nur noch eine Eintrittswahrscheinlichkeit von unter 50% hat: uff!

Vielleicht gelingt es uns 2026, Wissen wieder über Populismus zu stellen, Wahrheit über Lautstärke und Zukunft über fossile Nostalgie. Arbeiten wir GEMEINSAM daran, dann haben wir eine reelle Chance!

Merry Xmas and a Happy New Year 😊 wünscht Barnabas Hinkjambus

Ein kleiner Jahresendzeitgruß 2024

Der Weihnachtsmann kommt und bringt wieder einmal…

                                             …ganz andere Weihnachtsgrüße 2024

Eigentlich ist 2024 wie 2023, nur schlimmer. Zuhause einigeln wollte man sich am liebsten, so wie das Tier des Jahres 2024: der Igel.

Allerdings erhöhen die weltweit in 2024 zerbombten Privathäuser nicht gerade das Sicherheitsgefühl des Zuhauses. Ähnliche Unsicherheitsgefühle müssen wohl auch Hassan Nasrallah ereilt haben, kurz bevor die israelische Luftwaffe den Hisbollah-Führer in seinem 50(!)-Meter tiefen Bunker mithilfe amerikanischer BLU-109 Bomben liquidierte.

Krieg und Krisen bleiben beherrschende Themen in 2024: Der „Friedensprozess“ in Nahost läuft 2024 so zuverlässig wie die Deutsche Bahn an Heiligabend. Fast täglich flimmern humanitäre Katastrophen über unsere Bildschirme. Konflikte bestehen weiter z.B. in Afghanistan, Aserbaidschan, Armenien, Bosnien-Herzegowina, Iran, Jemen, Kongo, Myanmar, Kolumbien und Sudan. Regierungskrise in Südkorea, Dauerregierungskrise in Frankreich nach Parlamentswahl, kombiniert mit kriselnder deutsch-französischer Freundschaft, zwei Länder, die eigentlich Motoren der europäischen Union sein sollten. Aber es gibt auch Höhepunkte in Europa, so ist es der Kontinent, der sich immerhin weltweit am schnellsten erwärmt.

Höhepunkte auch weiter östlich: quasi als Jahresendfeuerwerk wird das Assad-Regime in Syrien hinweggefegt. Bei seinem Freund Wladimir Putin muss er um Asyl im kalten Moskau betteln. Sollte Assad seinem Paten lästig werden, hätte er die Wahl zwischen Fenstersturz, Flugzeugabsturz, Nowitschok oder Auslieferung an die Islamisten. Das Ende der Assads ist eigentlich positiv, aber wir wissen: „Selten kommt was Besseres nach.“ Eine Erkenntnis, die auch Großbritannien nach dem Brexit machte. Aber bitte keine Späße über die Briten: wir brauchen ihren atomaren Schutzschirm dringender, denn je.

Der Ukrainekrieg fühlt sich so an, als hätte es ihn schon immer gegeben. 100 tote Zivilisten da, 500 tote Soldaten dort, zerstörte Infrastruktur, fast normal. Kleine Aufmerksamkeit bekommen noch Testläufe weiter entwickelter russischer Waffengattungen oder wenn Nordkorea in brüderlicher Hilfe für Russland mehr als 10.000 Soldaten in den Kampf schickt. Den Herrschenden unserer Welt gelingt es, die weltweite Militärausgaben auf einen neuen Höchststand zu katapultieren: Respekt! Und was sie mit den erworbenen Waffen nicht klein kriegen, das erledigen dann die Naturkatastrophen, die wir Menschen laut „Klimaleugnern“ wie „The Donald“ nicht mitverursacht haben: Weihnachtshochwasser 23/24 in Norddeutschland, Mai-Juni-Hochwasser im Süden Deutschlands, September-Hochwasser in Mitteleuropa. Juni bis September (!) Hochwasser in West- und Zentralafrika, Oktober-Flut-Katastrophe in Süd-Spanien. Dazu 3x Mega-Hurrikan in Mai, September und Oktober in USA. Und im Juli eine der größten Brandkatastrophen in Kalifornien. Das kann sich doch sehen lassen für ein Jahr!

Aber es lässt sich auch Gutes berichten für die Umwelt: Ende August beschießen jemenitische Rebellen den Öltanker „Sounion“. Dieser hatte die 4-fache Menge an Rohöl an Bord im Vergleich zur Exxon Valdez, die 1989 eine Umweltkatastrophe auslöste, deren Folgen bis heute nachwirken. Es ist eines der positiven Highlights des Jahres 2024, dass, trotz weiteren Beschusses, der griechische Öltanker im Roten Meer erfolgreich geborgen werden konnte, ohne dass knapp 1 Million Barrel auslaufendes Öl zu einer neuen Umweltkatastrophe geführt hätten.

Nun zum eigentlichen Highlight 2024, dem 6. November: Trump-Wahlerfolg und „Ampel-Aus“ an einem Tag!

Ob die amerikanische Demokratie weitere vier Jahre „The Donald“ überleben wird, können wir in vier Jahren diskutieren. Ist auch alles nicht so wichtig, es handelt sich mit den USA nur um die Schutzmacht Europas. Europa hat jetzt die einmalige Chance, allen zu zeigen, wie es mit einer Stimme spricht und wie man sich und seine Werte verteidigt, frei nach dem chinesischen Sprichwort: „Du besitzt nur, was du verteidigen kannst!“ Ins Russische übersetzt von Waldimir I., Zar von Russland, wiedergewählt mit 88,5 % der Wählerstimmen: „Mir wird gehören, was Ihr (uneinigen demokratischen Waschlappen) nicht verteidigen könnt!“

Und der amerikanische Wahlkampf: ein Feuerwerk! Lügen, Blut, ein stammelnder Greis, der aus dem Rennen genommen wird. Eine farbige Präsidentschaftskandidatin, die von Hispanos und farbigen Amerikanern deshalb nicht gewählt wird, weil sie eine Frau ist. Und als Höhepunkt, die geballte Faust des späteren Siegers: „Fight, fight“, schreit er blutverschmiert hinaus nach einem fehlgeschlagenen Attentatsversuch. Solche Geschichten glaubt man keinem Drehbuchautor! Das ist Amerika! Die sachliche Begründung für Donalds Wiederwahl: dummerweise geht’s nur um Economy, und die zu retten, traut man eher einem notorischen Angeber, Lügner, Betrüger, zweifelhaften Immobilen-Tycoon und Fernsehstar („The Apprentice“) zu! Mega MAGA!

Was erwartet uns dagegen in Deutschland für ein Wahlkampf? Wahlstände mit frierenden Kandidat(inn)en im Januar: Kalte Bockwürste und dröge Talk-Shows mit hysterischen Diskutierenden, die das Publikum langweilen. Das wird nicht mal die Kanzlerkandidatin Weidel retten können, wenn sie sich im Dialog mit Sarah Wagenknecht vorführen lässt. Beim deutschen Wahlkampf gilt, „was nichts kostet, ist auch nichts wert“. Während wir in Deutschland läppische zweistellige Millionenbeträge für Wahlwerbung im Wahlkampf ausgeben, geht das in USA in die Milliarden. Allein der beste Wirtschaftsberater und Entbürokratisierer der Welt, der neue „First Buddy“ des Präsidenten, Elon Musk, wirft mal so eben eine dreistellige Millionensumme in den Wahlkampf hinein: kluger Mann! Allein das Kursfeuerwerk nach Trumps Wiederwahl brachte Musk ein Vielfaches dieses Investments.

Wir schaffen gerade noch ein Cannabis-Gesetz in Deutschland, um das man uns sicher genauso beneidet, wie um unsere Fertigkeiten im Gendern und Mülltrennen. Gerne hätte die Ampel zur Finanzierung des Haushaltsloches als letztes „Ampel-Gesetz“ eine „Kriegs-Quellensteuer“ für private Konten eingeführt, frei nach dem Motto: „Solidarität kostet – direkt von Ihrem Konto. Wir buchen, Sie fluchen!“. Aber dann kommt das „Ampel-Aus“! Unser Kanzler, Olaf der Energische, wirft am „D-Day 06. November“ seinen geliebten FDP-Finanzminister raus, der wiederum seine Minister bis auf einen (der mal schnell die FDP verlässt) aus der Regierung zieht: „Ampel-Aus“! Kein Gloria, kein Feuerwerk, kein Glamour!

Da hätte die Ampel mal nach Tirol schauen sollen, um von Immobilien-Unternehmer René Benko „Scheitern Deluxe“ zu lernen, also statt deutschem Stümper-Scheitern ein „Ampel-Aus“ mit Niveau. In Benkos märchenhaftem Insolvenzverfahren stellt sich zum Beispiel die bedeutende Frage, wie man 350.000 Euro an Luxusgarderobe in bare Münze verwandelt, ohne die empfindliche Seele des Schuldners zu verletzen. Die Antwort: Der Insolvenzverwalter verkauft die Kleidersammlung für das Dreifache des Schätzwertes an die Familie des Schuldners, die dank märchenhafter Konstrukte aus Scheinfirmen, Stiftungen und Treuhändern die Möglichkeit hat, Benkos maßgeschneiderte Garderobe vor den Blicken neugieriger Schnäppchenjäger zu schützen und seinen prächtigen Lebensstil auf Gläubigerkosten fortzusetzen.

Auf das „Ampel-Aus“ übertragen, hätte sich Olaf Scholz mit den schlichten Worten „Nicht mein Thema“ und einem staatsmännischen Lächeln auf eine monströse Finca auf Mallorca zurückziehen können, finanziert durch die Stiftung „Projekt Fortschritt: Wir deindustrialisieren Deutschland“, mit Robert Habeck als Stiftungsvorstand, der deutsche Industrieruinen wie Volkswagen meistbietend zu Mondpreisen an chinesische Aufkäufer verhökert. Aus BYD würde BYE BYE VW. Stiftungs-Finanzvorstand Lindner hätte noch festgestellt, dass es zwar keinen Haushalt, aber jede MengeFlexibilität in der Stiftung gebe. Er ruft den Gläubigern, also den Wählern, auf dem Dach eines Porsche 911 stehend, nach: „Investieren Sie einfach in unsere Aktien!“ Das hätte Niveau gehabt.

Es kam weniger glamourös, eher langweilig deutsch mit einem FDP-Bundesgeschäftsführer als Bauernopfer, der das mit kriegerischem Vokabular gespickte Papier zur Vorbereitung des „Ampel-Aus“ auf seine schmalen Schultern nimmt. Alles Weitere folgt dem schmierigen Drehbuch einer deutsch-langweiligen, billigen Eingroschenoper mit anschließendem Neuwahl-Szenario. Selbst der SPD-Kanzlerkandidat bleibt derselbe. Interne Papiere sollen belegen, dass Verteidigungsminister Pistorius (chinesisch ausgesprochen „Pistolius“, was man auch in USA besser verstanden hätte als Merz oder Scholz) nur deshalb seine Kanzlerkandidatur nicht durchsetzen konnte, weil Panzer mit veganer Innenausstattung geordert werden sollten, um die CO2-Bilanz der Bundeswehr zu verbessern.

Politik ist mitunter grausam und führt zu psychischen Belastungen: „Kevin allein in Deutschland“! Aus innerer Einsamkeit tritt Herr Kühnert zurück, wobei natürlich ihm gegenüber Respekt zu zollen ist, dass er uns von sich erlöst hat. Die Erlösung von unserer „Bundesgrausenministerin“ steht hoffentlich nicht so bald bevor, beobachtet von den „1,3 (!) Milliarden Menschen in Europa“; eine Zahl, die sie unlängst vor sich hinblubberte. Was wären Nachrichten ohne ihre charmanten Aussetzer? Wir brauchen grün-rote Expertise bildungsferner Fast-Absolventen. So etwas darf doch nicht jetzt einfach ausgeMERZt werden durch einen schwarzen Blackrocker, der sich wieder nur mit Mühe dem bayerisch-fränkischen „Hau-verbal-drauf-was-geht“-Kandidaten erwehren konnte.

Es hat schon eine gewisse Ironie, wenn Kevin und – wie war gleich ihr Name? –Ricarda Lang der deutschen Wirtschaft erklären wollen, wie sie zu funktionieren hat. Das beeindruckt DAX-Vorstände besonders, wenn man selbst noch nie außerhalb von Parteigremien gearbeitet hat. Aber gut, wer in der Theorie gelernt hat, wie alles laufen sollte, braucht die Praxis nicht mehr. Immerhin: Parteikarrieren zeigen, dass man ohne Berufsausbildung und ohne Studienabschlüsse ganz nach oben kommen kann. So lässt sich auch besser verstehen, warum das deutsche Bildungssystem so geschleift wird: wozu eine gute Ausbildung, wenn es ganz ohne funktioniert: labern statt lernen! Make Germany little again!

Letztes Jahr habe ich mich noch aufgeregt über diese Welt. Inzwischen denke ich mir, bevor ich mich aufrege, ist‘s mir lieber gleich egal. Wir wollen uns einfach freuen auf schöne Tage zum Jahresausklang und einen fantastischen Start in das Jahr 2025. Was in dem passiert: EGAL!

Merry Xmas and a Happy New Year 😊 wünscht Barnabas Hinkjambus

Der Weihnachtsmann kommt und bringt wieder einmal…ganz andere Jahresendzeitgrüße 2023

Das Wort des Jahres 2023 heißt „Krisenmodus“. Besser kann 2023 nicht beschrieben werden. Sehnen wir uns nicht danach, das gern zitierte Licht am Ende des Tunnels zu sehen? Irgendwie schiebt sich Jahr für Jahr dieses Licht ein Stückchen weiter in die Ferne. Doch es gibt Positives: China hat im Jahr 2023 Taiwan nicht annektiert, Säbelrasseln und ständigen Drohungen zum Trotz. Dabei hätte sich doch nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober eine fast perfekte Gelegenheit ergeben, dem Systemgegner USA nach Ukraine und Nahost noch eine dritte Front aufzuzwingen. Würde die chinesische Wirtschaft nach Corona und dem Absturz des doch nicht „immergroßen“ Bauriesen „Evergrande“ weniger schwächeln, wäre die Verlockung sicher groß genug, Taiwan zu besetzen. Wenn aber schon der bedauerungswürdige Evergrande-Eigentümer Xu Jiayin versuchen muss, sein bescheidenes Anwesen in London für mehr als 250 Mio. € zu verkaufen, dann hat die chinesische Führung vielleicht auch Manschetten, die nächste Lähmung weltweiter Lieferketten zu riskieren und damit auch den Handelsüberschuss Chinas im Verhältnis zu Europa von lächerlichen 400 Milliarden (!) € pro Jahr.

Und egal, welche Krisen auf der Welt los sind: Die Börsen feiern eine Party nach der anderen. Jede neue Krise wird über Nacht „eingepreist“: Jahresendrallye 2023 mit Allzeithoch im Dax und Dow-Jones. Klimakrise? Langweilt uns nicht damit, das gehört zum „Grundrauschen“ mit dazu. In diesen Grund, hier Meeresgrund, rauschen die Einwohnenden (😉) der ca. 50 kleinen Inselstaaten wie Fidschi, Marshall-Inseln etc. sowieso, wenn sie nicht in naher Zukunft ihre Heimat verlassen. Allein dies wird mehrere Dutzend Millionen (!) Menschen zu „Klimaflüchtlingen“ und damit zu „Migrant*Innen“, z.B. in Richtung USA machen. Der alte neue Präsident „Donald der Gnädige“ wird diesen nicht versiegenden Flüchtlingsstrom sicherlich in seiner charmanten Art an den Landesgrenzen warm begrüßen und der Dow-Jones wird die befestigten Grenzen wohlwollend berücksichtigen. 

Apropos versiegen: anscheinend versiegen langsam die Finanzbeiträge des kriegsmüden Westens in Richtung Ukraine, müde, obwohl er selbst noch nicht kämpfen musste! Welch ein Geschenk ist die Ermattung des Westens für „Bloody-Wladi“ zu Weihnachten und zu seiner Präsidenten-„Wahl“ Anfang 2024. Galt nicht folgende Abmachung: die (noch) freie Welt bezahlt für ihre weitere Freiheit mit Geld, die Ukraine mit Blut, beide so lange, wie nötig? Und jetzt kommen die Controller ins Spiel und wollen sparen: „Versiegen“ bedeutet im Wortsinne ‚nicht siegen‘ und damit versagen des „kollektiven Westens“, der eigentlich geplant hatte, den russischen Diktator in die Schranken zu weisen, der fröhlich Staudämme und den Privatjet seines Ex-Freundes Prigoschin sprengt. Wir liefern keine „Taurus“-Marschflugkörper und wundern uns über ausbleibende Erfolge der ukrainischen Gegenoffensive. Was wir nicht mit Zögern verhindert bekommen, könnten wir ergänzend mit Ausschreibungsrecht versuchen: Statt Munition zu liefern, trainieren wir ukrainische Soldat*Innen, ihre Gegner mit den Aktenordnern unserer Ausschreibungsunterlagen zu bewerfen.

Und wenn alles schiefläuft, die Ukraine doch russisch wird und der Eiserne Vorhang an der polnischen Ostgrenze verläuft, dann gibt es ja noch die Vereinigten Staaten. Ein Land vor der großen Präsidentenwahl, in dem sich zwei fast gleich große Gruppen, Demokraten und Republikaner, unversöhnlich und diskussionsunfähig mit zwei Greisen an der Spitze gegenüberstehen. Möglicherweise droht dieses Land im Jahre 2024 in bürgerkriegsähnliche Zustände abzugleiten, wenn die Präsidentenwahl, wie zu erwarten, sehr knapp in die eine oder andere Richtung ausgehen wird. Egal, da ist ja der Atlantik dazwischen… wenn dieses Land nur nicht die Schutzmacht wäre, ohne die Europa beinahe verteidigungsunfähig gegenüber den Großmachtgelüsten des immer siegeszuversichtlicheren Imperators von der Ostfront ist. Vermutlich mehr als 300.000 russische und 200.000 ukrainische Soldat*Innen, ganz undivers wohl eher weiblichen oder männlichen Geschlechts, haben ihr Leben oder Ihre Unversehrtheit in dieser sinnlosen „Spezialoperation“ dieses Despoten bisher gelassen. Die Zahl der zivilen ukrainischen Opfer überschreitet 10.000, es könnten mehr als 30.000 sein: auch statistisch ist der Krieg schwer zu (be)greifen. Wird ein Diktator, der dies alles billigend in Kauf nimmt, haltmachen, wenn ihm keine Grenzen aufgezeigt werden? 2023 hat er jedenfalls bereits weitreichende Ansprüche in Richtung der überwiegend staatenlosen Arktis angemeldet, von der Dank des Abschmelzens der Polkappen immer mehr Landmassen und damit verfügbare Rohstoffe zutage treten. 

Und weil es neben diesem Konflikt und denen in Afghanistan, Aserbaidschan, Armenien, Bosnien-Herzegowina, Iran, Jemen, Kongo, Myanmar, Kolumbien, Sudan u.s.w. noch nicht genug ist, brauchte es natürlich den 7. Oktober mit dem Angriff der Hamas auf Israel und der erwartbaren Reaktion aus dem angegriffenen Israel. Eine Spirale der Gewalt, Vertreibung, Entmenschlichung und Wunsch auf Rache folgen, wie immer auf allen Seiten. 

Und dann, wenn Menschen eine Wahl haben, wählen sie sich 2023 freiwillig ihren türkischen Sultan, der Erdbebenopfer nach einem katastrophalen Beben weitgehend sich selbst überlässt, dafür sein Volk in demokratiefeindliche Zustände und wirtschaftliche Not durch Hyperinflation führt. Und das Allerbeste: viele (=60%) in Deutschland lebende Türk*Innen, die von allen Wohltaten eines demokratischen Sozialstaats profitieren, sind glühende Wähler*Innen des „Systems Erdogan“, das ihnen, lebten sie noch in seinem Reich, diese westlichen Vorteile vorenthielte. Danke Polen für die Wahl Tusks, aber dass die Niederländer*Innen freiwillig einen Rechtspopulisten zur stärksten Kraft erwählen, zeigt, wie „stark“ unsere Demokratien aus sich selbst heraus sind. 

Mit solchem „Personal“ nehmen wir dann die großen Herausforderungen der Menschheit in Angriff. In Dubai, auf der „Weltwärmekonferenz“ könnten wir über CO2-Reduktion ernsthaft diskutieren, statt in der Realität immer mehr Ressourcen in Rüstungsgüter zu investieren, die überwiegend mit fossilen Energien betrieben werden. Kriegsgeräte mit dem „Blauen Umweltsiegel“ sind trotz der allgemeinen Lust auf „Greenwashing-Label“ nicht auf dem Markt. Kriegsgeräte zerstören Menschen und Gebäude. Zum Wiederaufbau verbrauchen wir erneut Beton, dessen Produktion zu höchsten CO2-Emmissionen führt. So facht die fossile Kriegsführung den CO2-Ausstoß weiter an, der zur weiteren Verschärfung der Klimakrise führt, was wiederum Migration auslöst, wenn weitere Gebiete unserer (einzigen) Welt unbewohnbar werden. Das Ganze garniert durch eine Zunahme der Weltbevölkerung, die mit knapp 8 Milliarden Menschen noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat: quasi ein sich selbst befeuernder Teufelskreis von Konflikten neben den bestehenden. Solange wir genügend Rohstoffressourcen für Kriegsführung und Wiederaufbau haben, werden wir diesen Wahnsinn weiterbetreiben, an menschlichem (Kriegs-)Material scheint kein Mangel zu sein! Die Börsen dieser Welt werden all das „einpreisen“ und mit neuen Kursrallyes digitalisierte Waffen- und Betonproduktion feiern. Die Reichen werden reicher, der Mittelstand wird kleiner und die Armen dieser Welt verlieren Heimat, Existenz, Gesundheit und Leben.

Das beste Mittel gegen Armut und Wohlstandsverlust ist bekanntermaßen Bildung. Sie hilft gegen Arbeitslosigkeit und hoffentlich durch höhere Einsichtsfähigkeit gegen politische Propaganda. Die aktuelle PISA-Studie dürfte Populisten Hoffnung machen: das deutsche Volk wird weiter blöder und damit anfälliger für Demagogie, die AfD wird es danken. Das schlechte Abschneiden deutscher Schüler*Innen im internationalen Leistungsvergleich bringt die ehemalige Bildungsnation Deutschland im OECD-Vergleich in Richtung unteres Mittelfeld. Das wäre nicht schlimm, wenn wir über ausreichend Rohstoffe verfügten, die wir dann als ungebildete Nation verkaufen könnten. Aber: Dreiviertel der Wachstumsunterschiede zwischen Volkswirtschaften hängen mit der Bildung zusammen. Kein Problem, wir Deutschen haben für alles eine pragmatische Lösung: wir schaffen einfach Noten und Bewertungen ab, dann fallen die Leistungsunterschiede nicht mehr auf und ein Vergleich der Leistungen ist nur schwer möglich. Wir brauchen uns bei kommenden Pisa–Studien mangels vergleichbarer Leistungen nicht mehr anzumelden und ersparen uns die Erniedrigung durch sichtbare Mangelleistungen deutscher Schüler*Innen. Da soll mir mal einer sagen, unsere Politiker*Innen seien nicht pragmatisch. Und: sie treten ja auch den Beweis an, dass man ohne höhere Bildungsabschlüsse und abgeschlossene Berufsausbildungen prima Karriere in Deutschland machen kann: „Grammatik? Fehlendes Textverständnis? Nebensache, Hauptsache richtig gegendert.“ Das Geld für die sozialen Folgen kommt vom Staat und der Strom aus der Steckdose. Immer diese Panikmache! 

Am Geld wird es doch nicht mangeln in Deutschland. Dafür haben wir die Känguru-Koalition: nichts im Beutel haben, aber große Sprünge machen… Was regen sich jetzt alle über dieses juristisch vielleicht richtige, industriepolitisch aber bescheuerte Urteil des Bundesverfassungsgerichts auf, das ein lächerliches Loch von 60 Milliarden € in den Haushalt reißt, bei geschätzt mehr als 900 Milliarden € jährlicher Steuereinnahmen in Deutschland. Und im Übrigen, warum brauchen wir Geld, um Produktionsstätten mit Subventionen in Deutschland zu halten, so wie es USA und China (leider) vormachen? Da gehen wir lieber einen deutschen Sonderweg mit Dekarbonisierung und anschließender Deindustrialisierung. Wohlstand wird sowieso überbewertet und vielleicht nutzen die zukünftigen reichen Nationen Deutschland und Europa als Tourismusregion, wenn sie trotz maroder Infrastruktur und Deutscher Bahn „adventuremäßig“ zu den Sehenswürdigkeiten gelangen können. Zumindest könnten unsere Breitengrade interessant sein, weil sie vermutlich trotz Klimakrise einigermaßen bewohnbar bleiben. Tolles Experiment am offenen Herzen: Grüner Umbau einer Industrienation zu Disneyland! 

Früher haben wir uns die von deutschen Tüftlern und Ingenieuren erfundenen Technologien wenigstens noch abkupfern und dann wegnehmen lassen: kein Problem mehr heute, weil praktisch nichts zum Abkupfern übrig ist. Vorreiter bei Patenten sind wir schon lange nicht mehr. Und das Rennen um das „neue große Ding“: „Künstliche Intelligenz“ überlassen wir gleich USA und China und treten gar nicht erst an, außer vielleicht mit einer Regelung zu Künstlicher Intelligenz, dem europäischen „Artificial Intelligence(AI)-Act: Bürokratie statt Digitalisierung! Letztere braucht Strom und schadet der Umwelt, na also!

Auf der neuen Weihnachtsplatte von Gregory Porter macht der Song „Everything’s Not Lost“ Hoffnung für 2024!

Merry Xmas and a Happy New Year 😊 wünscht Barnabas Hinkjambus

Der Weihnachtsmann kommt und bringt wieder einmal…ganz andere Weihnachtsgrüße 2022

Die „Bestia autocratica“, zu Deutsch Autokraten- oder Diktatorenbestie ist Wildtier des Jahres 2022. Sie (die Bestie, tut mir leid, das Substantiv ist feminin) entscheidet in eigener Selbstherrlichkeit über Krieg und Frieden, Leben und Tod, Verwüstung, Vergewaltigung, Hunger, Inflation, Rohstoffknappheit, atomare Bedrohung und viele weitere Plagen. Und das Tollste daran: es ist möglich, dass ein einziger siebzigjähriger Mann über die Macht verfügt, Milliarden von Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen! Wahrscheinlich ist dieser fehlgeleitete alte weiße Mann in seinem faschistoiden großrussischen Virilitätswahn noch stolz darauf, dass sich infolge seines Krieges Menschen, vor allem junge Männer, im Namen eines verlogenen volksschädigenden Patriotismus gegenseitig morden und verstümmeln. Ausgenommen von diesen Kriegsrisiken sind die russischen Söhne, deren Väter zur Kreml-Elite gehören, die diesen Offensivkrieg betreibt.

Von Putins Machtfülle in eigener Person träumt im Jahre 2022 wahrscheinlich vor allem ein begeisterter Rentner-Golfer aus Florida, der die Welt mit seiner unglaublich großen Ankündigung beglückte, sich nochmals um das amerikanische Präsidentenamt zu bewerben. Und das Verrückteste: trotz des republikanischen Dämpfers bei den Midterms hat „Americas First Narzisst“ immer noch eine erstaunlich große Anhängerschaft: MAGA (Make America Great Again) macht GAGA (Gestörter Alter Geht Amok)!

Bei so viel russisch-amerikanischem Wahnsinn könnte man die sog. „letzte Generation“ noch irgendwie verstehen. Ob allerdings deren Klebe-Aktionen gegen senile machtgeile Narzissten helfen, bleibt genauso fraglich wie die Idee, sich auf Wasser zu kleben. Dies hätte angesichts der Sprengung von Gaspipelines eine publikumswirksame Aktion sein können. Allen, die 2022 Bilder der Gasblasen im Meer gesehen haben, sollte doch die Frage in den Sinn gekommen sein, ob eine Spezies, die zu solchem umweltzerstörerischen Wahnsinn fähig ist, noch eine Berechtigung hat, auf dieser Welt weiter zu existieren. Zweifel an diesem irdischen Wohnrecht scheinen die menschlichen Versuche zu bestätigen, den Mars noch in diesem Jahrhundert erreichen zu wollen. Könnten wir die unzähligen Arten fragen, die wir alljährlich zum Aussterben zwingen, würden diese eine schnellstmögliche Umsiedlung des Homo „sapiens“ auf den garantiert artenfreien Mars unbedingt befürworten. Diesem Gedanken würden sich die durch Übererwärmung, niedrigen Wasserstand und Einleitung von Chemieabfällen verendeten mehrere hundert Tonnen Oder-Fische sofort anschließen.

Es gibt keine Ausreden: es handelt sich um menschgemachte Umweltkatastrophen, die 2022 im Rhein lange ungesehene Hungersteine wieder ans Tagelicht gebracht haben: „Wenn Du mich siehst, weine“! Weinen sollten wir auch, wenn wir sehen, dass Russland lieber Gas in groben Mengen ungenutzt abfackelt, als es den „Feinden des russischen Volkes“ zu überlassen. Ungeachtet dessen diskutieren wir heftig in Deutschland über eine dreimonatige Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken, die bereits seit Jahrzehnten ohne Zwischenfälle am Netz sind. Der von diesen Kraftwerken erzeugte Strom muss zumindest in diesem Winter nicht von Gasturbinen erzeugt werden. Vielleicht erspart uns das dann einige schwäbische Waschzeremonien nach der Waschlappen-Lektion von Lehrer Kretschmann. Ich dusche mich lieber, als mit Waschlappengrobreinigung etwas mehr Zeit für’s Frühstück zu haben, auch wenn ich in der gewonnenen Zeit dann darüber nachdenken könnte, ob ich wegen der bescheuerten Winnetou-Debatte zu Weihnachten „Der Schatz im Silbersee“ ansehen darf. Ich werde es wohl machen und dazu dann ausnahmsweise nicht-vegane HähnchenInnenschenkel essen. …Ätsch, das ist kein gegenderter Begriff, es handelt sich tatsächlich um die Innenseite von (weiblichen und männlichen) Hähnchen*schenkeln.

Müsste die Menschheit nicht statt Kriege zu führen jede Energie, jede Innovation, alles Wissen in die Abmilderung der Klimakrise investieren? Eine Studie von Juni 2022 zeigt, dass sich die Arktis jetzt viermal (!) schneller erhitzt als die restliche Welt durch globale Erwärmung. Stattdessen wird wieder verstärkt „Ingenieurskunst“ für die Entwicklung und Optimierung von Kriegsgerät eingesetzt. Und nicht, um „CO2-neutrale Panzer“ zu entwickeln…, sondern solche mit der höchsten Zerstörungskraft. Dieses Wissen über neue noch zu konstruierende Panzertypen und Waffengattungen wird Anton Hofreiter bestimmt in sein Repertoire aufnehmen. Er, der sich 2022 anstelle eines Ministeramtes zum grünen Waffensystem-Experten gemausert hat: Respekt für diese, aber auch insgesamt jede grün-rote Wandlungsfähigkeit dieses Jahres. Respekt auch für die neuen deutschen Anstrengungen in Form der Zeitenwende mit 100 Milliarden € Sondervermögen ein Mindestmaß deutscher Verteidigungsfähigkeit erreichen zu wollen. Ein großer Fortschritt im Verhältnis zu den 5.000 Helmen zu Beginn des Ukraineüberfalls. Allerdings zeigen sich mit dem „Puma Pannen-Panzer“ zum Ende des Jahres kleinere Zweifel an der Einsatzfähigkeit deutschen Kriegsgeräts, wenn 18 von 18 (!) dieser Hightech-Schützenpanzer im „Stresstest“ ausfallen, statt ihre Pumakrallen auszufahren. Geradezu beruhigend ist, dass ein Drittel unserer Panzerhaubitzen funktionieren. Eigentlich wäre mir lieber, die 100 Milliarden in den Klimaschutz zu investieren, aber wenn schon in die Verteidigung, dann doch am besten in Ausrüstung, die unsere Gegner das Fürchten lehrt statt das Lachen.

Nicht zum Lachen hingegen sind die menschgemachten Mangellagen durch ge- oder zerstörte weltweite Lieferketten. Was ein Wunder, wenn viele Nationen sich statt Welthandels wieder auf nationale Autarkie besinnen. Dass wir keine Autos mehr unter einem Jahr Wartezeit bestellen können, ist zu verschmerzen, weniger aber, dass es u.a. wegen der Abhängigkeit von indischen und chinesischen Rohstofflieferanten nicht mehr ausreichend Medikamente, nicht mal mehr einfache Fiebersäfte oder Antibiotika gibt. Wobei letztere dank ihrer ausschweifenden Nutzung in Schweine- und Hühnermast demnächst sowieso nicht mehr wirken. Ich bin gespannt, wie die Menschheit in Zukunft 8 Milliarden Menschen versorgen möchte: Weizenanbau mit Kriegen zu behindern oder voll beladene Getreideschiffe konfliktbedingt nicht auslaufen zu lassen, wird nicht helfen.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass in 2022 auch Queen Elizabeth II. und Michail Gorbatschow genug hatten von dieser Welt und sich lieber aus ihr verabschiedeten. Erstere absolvierte noch als letzte Amtshandlung die Vereidigung einer Premierministerin, für deren Mini-Amtszeit schon ein Hofknicks zu lang war. Sie hinterließ einen Sohn als König, der lieber lebenslang Prinz geblieben wäre und durfte sich mit dem pompösesten Staatsbegräbnis aller Zeiten von dieser Welt verabschieden. Ein solches Staatsbegräbnis verwehrte „Bloody Wladi“ seinem Vorgänger Michail Gorbatschow. Aber auch der mindestens lebenslang gewählte China-Chef Xi-Jinping hat gezeigt, dass man nicht nur schäbig mit Minderheiten und Andersdenkenden umgehen kann, sondern auch mit seinem direkten Vorgänger Hu Jintao, den man lässig lächelnd aus dem großen Parteitag abführen lässt. Andere zu unterdrücken ist schmutziger „Regimesport“, ob durch alte Mullahs im Iran oder junge Taliban in Afghanistan betrieben. Wer die Macht hat, will sie behalten, egal um welchen Preis. Wohl in der Hoffnung, dass Frauen diese Machtlust und ihre eigene Unterdrückung nicht mehr verbalisieren können, werden sie durch patriarchalische Mullahs und Islamisten von Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossen: Kopftuch drauf und Ruhe bitte!

Letzte Ruhe leider für Michail Gorbatschow! Unser Dank sei ihm ewig, der zumindest für kurze Zeit den eisernen Vorhang niederriss und die Wiedervereinigung ermöglichte. Aber mit der hadern ja heute noch viele in Deutschland und sehnen sich nach den guten alten Zeiten des Deutschen Reiches. Wie schön wäre es für ewig gestrige, wieder starke Führungsfiguren aus einer völkischen Ursuppe auftauchen zu sehen, um einer überraschend großen Zahl von Reichsbürger*innen eine neue Projektionsfläche zu bieten. Auf der können sie den mediokren Immobilienhändler Heinrich XIII. Prinz Reuß als neuen Wunschführer aufleuchten lassen. Der wird sie wahrscheinlich nicht von ihrer eigenen Macht-, Bedeutungs- und Ideenlosigkeit, ihrer Wut, ihren Ängsten und ihren rassistischen Ressentiments ablenken können oder wollen. Diese Gefühle inmitten unserer Gesellschaft sind Gift für die Demokratie.

Anderes Gift kommt aus dem Inneren unserer Institutionen: Eine „wertebasierte“ deutsche Außenpolitik statt einer, die vor allem Sicherheitsinteressen im Fokus hat, kann zu einer Doppelmoral führen, wie bei der alten Handelspolitik mit Russland und vielleicht der neuen mit Katar. Die Überanstrengung öffentlicher Korrektheit wird zu Meinungsdiktatur führen und damit zum Gegenteil „wertebasierter“ Vielfalt. Deutsche Überheblichkeit sollte sich erinnern, dass in Deutschland der „Schwulenparagraph 175“ bis 1994 im Strafgesetzbuch stand. Demut angesichts dieser Geschichte wäre maßvoller als besserwisserisches Bindentragen. Genesen wird nicht am deutschen Wesen, sondern am deutschen Geld, solange trotz Überalterung und Deindustrialisierung vorhanden.

Sehen wir auf die positiven Aspekte des Jahres 2022. Welches Glück, dass China nicht die Gunst der Beschäftigung der Weltöffentlichkeit mit der Ukrainekrise genutzt hat, um Taiwan anzugreifen. Davon war ich nach dem 24. Februar so fest überzeugt, wie 2016 davon, dass nicht mal die Briten so bescheuert sein würden, für den Brexit zu stimmen oder die Amerikaner für Trump als Präsident. Schön, zumindest bei Taiwan Unrecht gehabt zu haben. Noch eine ukrainegleiche Katastrophe in der globalen Sicherheitslage können wir uns beim besten Willen nicht leisten. Aber so beschränkt menschliche Moral scheint, so beinahe grenzenlos ist die wissenschaftliche Fähigkeit, die Geheimnisse des Universums zu entschlüsseln. Welche genialen Aufnahmen des Jupiters oder des schwarzen Lochs in der Mitte der Milchstraße lieferte das erfolgreich ins All geschossene „James-Webb“-Teleskop. Eine genauso fantastische technische Leistung war die „Dart Mission“ der NASA: der Satellit „Dart“ wurde auf dem rund 11 Mio.(!) km entfernten Asteroiden „Dimorphos“ zum Einschlag gebracht, so dass dieser seine Flugbahn maßgeblich änderte. Für die Zukunft bestünde also die Möglichkeit, einen Asteroiden, der sich auf Kollisionskurs mit der Erde befindet, abzulenken, also zumindest, wenn wir uns nicht vorher ausgerottet oder auf den Mars umgesiedelt haben.

2022 habe ich einen wunderbaren Liedtext gehört: „Die Hoffnung stirbt zuletzt, das heißt, sie stirbt nicht jetzt!“ Welche Botschaft könnte besser zum Abschluss dieses verrückten Jahres passen als diese.

Barnabas Hinkjambus

                                             

Der Weihnachtsmann kommt und bringt wieder einmal…

   …ganz andere Weihnachtsgrüße 2021

Der Fischotter (Lutra lutra) ist Wildtier des Jahres 2021. Als er sich jüngst beim Bad entspannte, roch er mit seinem feinen Näschen einen zarten Geruch von Haschisch. Er dachte sich, wenn jetzt so viele wegen der Cannabis-Legalisierung völlig zugekifft durch die Lande eiern, dann müssen wir uns nicht wundern, dass die Welt so ist, wie sie ist und ich und meine Verwandten auf der roten Liste der besonders schützenswerten Tiere stehen. Dann denkt er sich noch, wenn Ihr so weitermacht, Ihr Menschen, dann steht Ihr auch bald auf der Liste… ich aber sage Euch, definitiv nicht wegen Cannabis.

Zunächst einmal ist darüber zu sinnieren, ob in Zeiten, in denen die Menschen so angespannt und übersensibel sind, sarkastische und möglicherweise individuell verletzende Worte nicht umgehend mit Wut, Hass und einem Fackelmarsch vor dem Privathaus belohnt werden. So sind wir es inzwischen von toleranten Querdenkenden (jawoll, auch Barnabas geht gendernd mit der Zeit) gewohnt: wenn was nicht passt, gleich die Keule rausholen, verbal im Netz oder am besten gleich physisch und sich dabei drohend polternd durch die Innenstädte wälzen.

„Wir werden uns sehr viel zu verzeihen haben“. Aus diesem Satz spricht mehr Weisheit, als die Begeisterung über sich selbst bei seinem Verfasser Jens Spahn normalerweise zuließe. Aber, was ich merke ist, dass Toleranz, Gelassenheit, Humor und die Fähigkeit, sich einmal selbst nicht ganz so ernst und wichtig zu nehmen, „echt total“ verloren gehen. Was soll dann aus dem Land „der Dichtenden und Denkenden“ werden? Vielleicht klappt Einiges deshalb nicht so dolle bei uns, weil wir uns mehr damit beschäftigen, wie wir das „der“ aus dieser Formulierung „weggendern“ können, als mit dem Prozess des Dichtens und Denkens selbst.

Vielleicht braucht es für das Denken Menschen, die nicht so satt und bequem geworden sind, wie das in nicht unerheblichen Teilen unserer Gesellschaft der Fall zu sein scheint. Die Teile, die egal ob als Babyboomer, Generation Y oder Millennials, mit dem zumindest bronzenen Löffel im Mund aufwachsen, verspüren wenig Motivation, ihre Komfortposition ein wenig zu verlassen. Deshalb ist es bezeichnend, wenn auch wenig verwunderlich, dass zwei „Migrantenkinder“, die vermutlich in ihrem Leben nicht nur von einer bequemen Situation begünstigt waren, durch Bildung, Grips und viel Anstrengung es schaffen, mit Ihrem Unternehmen Biontech einen wirksamen Impfstoff gegen „das Virus“ zu entwickeln. Andere Teile einer Gesellschaft schaffen es dagegen nicht einmal, die Bereitschaft aufzubringen, sich mit diesem Impfstoff in mindestens 85%-iger Impfquote versorgen zu lassen, um andere und sich in einem gleichermaßen solidarischen und egoistischen Akt vor dem Virus und seinen Mutationen zu schützen. Würde ich nicht stark vermuten, dass die meisten, die eine Impfung verweigern, nicht wissen, dass der bevorzugte Biontech-Impfstoff einen Migrationshintergrund hat, würde ich annehmen, viele würden die Impfung bereits aus diesem Grund ablehnen.

Tatsächlich hatte ich vor einem Jahr gehofft, verirrte „Querdenkende und Impfgegnernde“ würden nicht so viele „Mitmachende“ finden, dass der pandemische Wahnsinn in die nächste Runde geht. Impfen wäre 2021 das „A und O“ gewesen. Mit dem „O“ war allerdings nicht „O-Mikron“ gemeint, dieses fiese kleine Ding, sondern Omega, das wir heute eher als Fettsäure kennen, denn als den letzten Buchstaben im griechischen Alphabet. Es hätte so einfach sein können: nur ein bisschen mehr Impfstoff in die Welt zu (ver)teilen, statt ihn in den Industrieländern zu horten, um ihn dort dann teilweise verfallen zu lassen, ohne ihn zu verimpfen! „Lieber Fischotter, dass Du uns für verkiffte Penner hältst, ich kann es verstehen.“ Dabei haben wir noch nicht einmal darüber geredet, dass wir hier in Deutschland wegen des Wahlkampfes mal eben für ein paar Monate „Virusbekämpfungspause“ eingelegt haben. Wer will es sich schon wegen einer Pandemie mit den Wählenden verscherzen. Diese Denkweise hat sich dann echt gelohnt für die nicht wiedergewählten Teile der „Ex-GroKo“.

„Indianerehrenwort“ wurde 2021 zum verbotenen Begriff!  In meiner Kindheit haben wir Cowboy und Indianer gespielt. Ich fühlte mich dabei immer diskriminiert (ohne zu diesem Zeitpunkt diesen Begriff zu kennen), wenn ich Cowboy war und nicht Indianer sein durfte. „Begriffspopulismus“, Machtausübung über die Sprache ist immer verdächtig. Wird nicht auch den Uiguren per Machtdekret der Gebrauch ihrer Sprache und Kultur verboten, als probates Mittel einer Siegerdiktatur. Ändert es das Denken, Begriffe zu Unwörtern zu machen? Wo hört das auf? Beim „Schwarzfahren“?  Manche Verkehrsbetriebe streichen jetzt inzwischen diesen Begriff aus ihrem Vokabular, weil er angeblich diskriminierend sei. Der Begriff stammt etymologisch vom jiddischen Begriff „shvarts“ (Armut). Aber nein, „schwarz“ wird jetzt zum „bösen Wort“, das wir alsbald aus unserem Wortschatz tilgen müssen. Ich habe auch schon einen Vorschlag für eine korrekte Umbenennung: „ziemlich dunkelste Farbe“, lassen wir dabei einfach die Kleinigkeit außer Acht, dass es sich bei „schwarz“ (wie „weiß“) um keine Farbe(n) handelt.

Für mich beinhaltet „Indianerehrenwort“ nichts Diskriminierendes, sondern etwas sehr Positives: ein Ehrenwort, das im Zusammenhang mit dem Begriff „Indianer“ seinen Sinn erhält: „das Ehrenwort wird auch gehalten“. Das ist schön, aber leider nicht selbstverständlich. Ehrenworte und Versprechen können gebrochen werden: „Mit uns wird es keine Impfplicht geben!“ Ich beschwere mich nicht über die Impfpflicht, die hätten wir epidemiologisch schon längst gebraucht. Ich beschwere mich darüber, aus Populismus voreilig apodiktisch Versprechen zu geben, ohne zumindest ins Kalkül zu ziehen, dass sich Verhältnisse schnell ändern können. Mit solchen Formulierungen erhalten „Querdenkende“ Munition, um weiter auf den Rest der Gesellschaft schießen zu können: Eigentor! Leider scheint beim Querdenken der Fokus auf dem „quer“ zu liegen. Ganz anders beim Aussteiger des Jahres, dem Kölner Kardinal Woelki, der während seiner apostolischen Auszeit in seinem „Woelkikuckucksheim“ darüber nachdenkt, ob Missbrauch von Schutzbefohlenen möglicherweise die letzte, wenn auch von Seiten der Missbrauchten ungewollte Nähe der Kirchenoberen zum Kirchenvolk bedeutet, bevor sich dieses in himmlischen Scharen von der heiligen Mutter Kirche restlos abwendet.

Apropos Abwendung, die Natur wendet sich von uns ab: 50 Grad in dem kanadischen Bergdorf Lytton (Kanada, nicht Kanaa), verheerende Flutkatastrophe an der Ahr und Erft, Medicane (Hurricane) in Italien und zum Jahresabschluss noch Taifun Rai auf den Philippinen und verheerende Tornados in Kentucky. Wären da nicht die zahlreichen Todesopfer, könnte man es für göttlichen Sarkasmus nehmen, dass in dem kleinen Ort Mayfield, passend zur Adventszeit, die Kerzenfabrik zerstört wird. Anscheinend geht uns tatsächlich bald kein Licht mehr auf, zumindest, wenn ich an die Energiewende denke, mit der wir das vermutlich nicht haltbare 1,5 Grad-Ziel erreichen wollen: ein Ziel, das eine weitere Verschlimmerung des Weltklimas wenigstens hinauszögern soll.

Für die Katastrophen der kommenden Jahre stelle ich mir dann vor, wie wir in Krisengebieten, siehe Ahr oder Erft, mit elektromobilisierten Bergefahrzeugen, Kränen, Baggern und Logistikfahrzeugen den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck ziehen wollen. Elektromobilität ist eine feine Sache, wir sollten uns nur überlegen, wo wir sie einsetzen können und mit welchem Strom wir sie betreiben. Wir bräuchten schon eine Menge zusätzlicher Solarpaneele auf den Dächern unseres Landes, um wenigstens im Sommer mit der gewünschten Anzahl von Elektroautos durch die Gegend fahren zu können, wenn wir denn „Handwerker*innen“ bekommen, die uns so ein Ding auf das Dach pflanzen. Zumindest solange es genügend Importkohle gibt, werden wir unsere Kraftwerke überwiegend mit ihr betreiben. Diese importierte Kohle besitzt hervorragende Qualitäten: unter schlechten Arbeitsbedingungen gefördert, über die Weltmeere mit CO2-Ausstoß transportiert, mit schlechterem Energiewert als unsere frühere eigene Kohle, deren Förderung wir aufgegeben haben, wahrscheinlich um den Welthandel zu begünstigen, damit wir dafür abhängiger z.B. von China und Russland sind: Glückwunsch.

Zur Weltpolitik nur so viel: wie ist es möglich, ein Desaster anzurichten wie in Afghanistan. Niemand konnte erahnen, wie schnell die Taliban wieder die Macht übernehmen werden, wenn ihre militärischen Gegner das Land verlassen… hallo? „Das ist nicht Saigon“ behauptete der amerikanische Präsident, während die Bilder kreisender Hubschrauber in Saibul, Verzeihung Kabul, über der amerikanischen Botschaft denen von 1975 in Vietnam glichen. Dem afghanischen Volk wird zugemutet, ein zweites Mal das archaisch-terroristische Regime dieser mittelalterlichen Spießgesellen zu erdulden. Da wir zur Strafe jetzt keine Hilfsgelder mehr dorthin schicken, hungert das Volk. Seien Sie versichert: die neuen alten Machthaber werden sich zu versorgen wissen.

Sehen wir aber auch die positiven Seiten von 2021: eine herzerwärmende Hilfsbereitschaft und Solidarität im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe, eine makellose Amtsübergabe nach der Bundestagswahl, ohne „Erstürmung des Kapitols“ und monatelanges Zetern über einen behaupteten Wahlbetrug.

Gott gebe uns nun zu diesem Jahresende die Einsicht, dass wir diese Seuche besiegen können, wenn wir auf andere so viel Rücksicht nehmen, wie wir es von ihnen selbst erhoffen. Jetzt nur noch ca. zweimal „Lockdown“ und dann ist wieder Ostern! Trotzdem immer schön optimistisch bleiben, Trübsal blasen macht es nicht besser. Und jetzt erst einmal eine glückliche und besinnliche „Jahresendzeit 2021“!

Barnabas Hinkjambus

Jahresendzeitgrüße 2020

Bild des Coronavirus von der Website der WHO

Der Weihnachtsmann kommt und bringt wieder einmal…

    …ganz andere Weihnachtsgrüße 2020

Der Maulwurf ist das Wildtier des Jahres 2020. Als er jüngst von einem kleinen Spaziergang in seinem unterirdischen Reich nach oben zurückkehrte, musste er erstaunt feststellen, dass plötzlich alle seine Lieblingsrestaurants und -läden zugemacht hatten. Er war in eine fast ausgestorbene Stadt aufgestiegen. Nur Lebensmitteleinzelhandel, Apotheken, das Allernötigste halt und ein paar vereinzelte Maulwurfshügel waren übriggeblieben: „The Day after (the Virus)“. Wenn dieses Szenario vor einem Jahr jemand dem kleinen Maulwurf vorhergesagt hätte und dass sogar die Schulen und Bordelle zumachen würden, er hätte jede(n) für verrückt erklärt. Dies ist meine Botschaft an Euch Maulwürfe: „Lock-Down, bleibt unten, schließt Euch in Eure Maulwurfshügel ein, wir rufen Euch, wenn der Wahnsinn wieder vorbei sein sollte.“

Aber alles hat auch sein Gutes: Silvester wird dieses Jahr für den kleinen Maulwurf und alle anderen Tiere dieser Welt wunderbar werden, keine Böller und Raketen, wer hätte das gedacht. Ein langweiliger Silvesterabend für die Einsatzkräfte, keine abgebrannten Häuser durch im Suff angezündete Feuerwerkskörper, keine abgerissenen Finger, nur vielleicht ein paar mehr Extremalkoholfälle vom exzessiven einsamen  „Home-Drinking“, der lustvolleren Erweiterung des „Home-Schooling“ und „Home-Office. Aber betrinkt Euch nicht zu sehr an Silvester, Ihr Freunde der Heimat, des „Homings“: mit Alkoholvergiftung wegen Triage an der Krankenhaustür abgewiesen zu werden ist kein ehrenvolles Ende im Pandemiejahr!

Apropos ehrenvolles Ende: 2020 war das „Shutdown-Jahr“ für ehrenvolles Abdanken. Donald sei mal wieder Dank. Er hat sich den „Stupid Bad Looser Worldwide Award“ verdient: Es ist schon eine ehrenvolle Leistung für die vermutlich älteste Demokratie der Welt, dass knapp 80% der republikanischen Wähler davon ausgehen, das Wahlergebnis, also die Abwahl des Präsidenten-Clowns, sei durch Betrug zustande gekommen. Respekt vor einer solchen Öffentlichkeitsarbeit! Absolutes Highlight im Nach-Wahlkampf: Rudy Giuliani, Trumps Wahlbetrugsanwalt mit 20.000$ Tagesgage läuft bei einem Interview ein schmierig braunes Rinnsal aus den (zu) frisch gefärbten spärlichen Fake-Haaren über die rechte Wange. Geniale Szene, kein noch so kreativer Drehbuchautor könnte sich so etwas einfallen lassen: das schafft nur die Wirklichkeit, bravo und Dank dafür!

„Coronald“ Trump will wohl, nachdem er am 20. Januar 2021 vom Secret Service aus dem Weißen Haus getragen worden ist, nach Palm Beach ziehen. Berufene Kreise halten dies für eine Fake-Information. Er wolle tatsächlich nach „Pfalz Beach“, heim nach Kallstadt ziehen, wo Familie Trump herstammt. Dort wird schon für den Aufbau eines Prangers gesammelt, falls er wirklich zurückkommt. Ein Pranger als pfälzischer „Trump-Tower“, eine herrliche Vorstellung für 2021.

Im Übrigen ein wunderbarer Wahlkampf, bei dem sich dann durch plakatives Nichttragen von Masken der Präsident und seine treuen Vasallen im Rosengarten des Weißen Hauses gegenseitig anstecken, kurz vor der Endphase des Wahlkampfs. Und mal Hand aufs Herz: frei von Schuld ist jede(r), die/der „Coronald“ nicht doch zumindest ein klein wenig gewünscht hat, dass ihn das Virus, das er so vehement negiert, kurz vor der Präsidentschaftswahl so richtig niederkeult. Waren wir nicht doch ein klein wenig enttäuscht, wie schnell der weltbeste Superspreader wieder auf die Beine kam und am Tag seiner Entlassung aus dem Krankenhaus verkündete: „Fürchtet Euch nicht vor Covid.“ Anders als sein Ärmelkanal-Kumpel Boris Johnson zeigte er nicht einmal einen Hauch von Demut während und nach seiner Erkrankung.

Ach ja, England, Little Britain, armes Opfer des Virus. Als im Sommer in Berlin eine große Zahl verwirrter Fahnenträger mit schwarz-weiß-roten Reichskriegsflaggen den Reichstag stürmte, stellte sich heraus, dass sie mit einer neuartigen hochansteckenden Covid-Variante infiziert waren, die Auswirkungen auf die Kognitionsfähigkeit hat und zu einer Rapid-Demenz führt. Diese wurde leider nach England exportiert und grassiert dort als neue Virus-Variante Covexit 2020. Das selbstschädigende britische Festhalten am harten Brexit gegen jede Vernunft ist durch diesen virusbedingten Intelligenzverlust erklärbar. Wohlwollendere Kreise betrachten das Schließen der Grenzen nach Europa zum Jahreswechsel als selbstlosen britischen Schutz der EU vor dieser gefährlichen Virusvariante.

2020 wird auch in die Geschichte eingehen, weil seit Jahrzehnten nicht mehr so wenig gereist worden ist, wie in diesem Jahr. Allein für Deutschland wurden 70% weniger Flugpassagiere (minus 155 Mio.) gezählt als im Vorjahr. Das Goethe Institut beklagt nun einen massiven Rückgang deutschen Kulturexports in die Welt, deutlich zu sehen an ehemaligen germanischen Kulturhotspots wie Ballermann, Ischgl, Lloret del Mar u.s.w.. Laut Goetheinstitut bleibt die Schweiz für 2020 die letzte Hoffnung, weil dort, über die Weihnachtsfeiertage, quasi einzig europaweit, die Skigebiete weit für einen deutschen Kultur- und Virusexport geöffnet bleiben: „Gruezi, Gier fressen Hirn“, falls diese Entscheidung nicht bereits Folge der neuen britischen Demenz-Virusvariante ist.

Bei geistiger Verwirrung erinnern wir uns sofort an einen kleinen dicken nordkoreanischen Diktator, von dem man wegen „Coronald“ 2020 einfach viel zu wenige Geschichten zum Schämen hören durfte. Dass Kim Jong-un in Viruspanik mit Hinrichtungen, Schießbefehlen und Landminen auf Corona-Infizierte reagieren wollte, hört sich da nicht so recht als Ausgleich für sonstige Entgleisungen an. Höchstens das Gerücht, dass er seine Ehefrau Ri Sol-Ju im Jahre 2020 habe hinrichten lassen, lässt hoffen, dass er auch 2020 in Form geblieben ist. Berichte, dass diese Vorgehensweise zur Entsorgung unliebsamer Ehefrauen Eingang in das islamische Recht finden könnte (statt der einseitigen Verstoßung durch den Mann), wurden umgehend dementiert.

Dementiert wurden zunächst auch Hinweise, dass ein deutsches Dax-Unternehmen nicht mehr als ein Potemkinsches Dorf darstellt. Top-Manager mit Erzähltalent brauchten nur Lügengeschichten à la Felix Krull auftischen und damit eine Firma namens „Wirecard“ in den DAX30 und danach Tausende von Anlegern um ihr Erspartes bringen. Wir können damit sehen, dass kriminelle Vorstände in der freien Wirtschaft einfach „erfolgreicher“ agieren als staatliche Aufseher. Dieses Beispiel haben sich wohl auch Unternehmensvorstände zu Herzen genommen, als sie im Zuge der ersten Unterstützungswelle infolge der Corona-Pandemie staatliche Beteiligung ohne staatliches Mitspracherecht forderten. Manager seien halt die besseren Unternehmer: neben „Wirecard“ eindeutig bewiesen dadurch, dass sie Staat und Steuerzahler, die sie hilfesuchend rufen, gerne über den Tisch ziehen bzw. gezogen haben, wo es nur möglich war: Steueroasen, Panama, Libor-Zinsbetrugsskandal, Diesel-Affäre, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Als Wissenschaftler können Menschen aber wirklich Tolles leisten, z.B. mit der japanischen Raumsonde „Hayabusa2“ (gestartet 2014) ferngesteuert auf einem 300 Mio. km entfernten Asteroiden landen, dort Proben aufnehmen, diese wieder 300 Mio. km zurückfliegen und sie dann der Wissenschatt auf der Erde übergeben. Dies ist wahrlich eine Meisterleistung. Da sieht die chinesische Steinprobe des Jahres 2020 vom rund 400.000 km entfernten Mond im Vergleich dazu wie ein mickriger Wochenendtrip aus. Und diese Mondlandung ist dreimal kein Ausgleich dafür, dass die Chinesen laut Coronald Trump das „chinesische Virus“ in den Westen gebracht haben: schämt Euch, Ihr Chinesen und jetzt geht auch noch Eure Wirtschaft wieder durch die Decke, nur weil Ihr die richtigen Maßnahmen zur Viruseindämmung gleich von Anfang an durchgezogen habt.

Diese anerkennend gemeinte Ironie ändert aber nichts daran, dass sich die chinesische Führung mit Schande befleckt im Umgang mit Minderheiten wie Uiguren und generell mit Menschen, die von der Führung abweichende Meinungen äußern, sei es in China, Hongkong oder anderswo. Aber hiermit steht China nicht allein, wie die kürzliche Hinrichtung des iranischen Bloggers Ruhollah Zam nach seiner Entführung aus dem Exil zeigt. Etwas eleganter und noch perfider geht da der Kreml mit Kritik um: hier wird dem Kremlkritiker Nawalny als versuchte Stummschaltung „Nowitschok im Teebeutel“ serviert. Alles wird fachmännisch dementiert. Wir lernen: Die Lebensräume real gelebter Demokratie werden immer enger, hoffentlich sterben sie nicht irgendwann aus.

Diese Beispiele sollten auch dem letzten hirnlosen „Proud Boy“, deutsch „Reichsbürger“ zeigen, wie bescheuert es ist, unsere hart erkämpften und beileibe nicht selbstverständlichen demokratischen Grundwerte mit Füßen, pardon Stiefeln zu treten. Wenn es keine Versammlungsfreiheit und kein Demonstrationsrecht gäbe, dann könnten auch diese Flachhirne mit ihren abstrusen Meinungsäußerungen nicht auf die Straße gehen bzw. erst dann wieder, wenn sie die Macht übernommen haben, was Gotte verhüte.

Gott verhüte aber auch, dass Impfgegner 2021 zu viele Anhänger finden und wir diesen pandemischen Wahnsinn noch länger als nötig ertragen müssen. Er gebe uns die Einsicht, dass wir diese Seuche besiegen können, wenn wir auf andere so viel Rücksicht nehmen, wie wir es von ihnen selbst erhoffen.

Dann könnten wir 2021 wieder ganz normal mit Familien und Freunden Weihnachten und Silvester feiern.

Barnabas Hinkjambus

Jahresendzeitgrüße 2019

Der Weihnachtsmann kommt und bringt wieder einmal…  

…ganz andere Weihnachtsgrüße 2019

Der Atlantische Lachs (Salmo salar) ist Fisch des Jahres 2019. Ein so geehrter Fisch hat weitreichende Alternativen: er kann im ozeanischen Plastik ersticken, oder wir ermöglichen ihm, in unseren Mägen zu landen. So können wir das in ihm absorbierte Mikroplastik verspeisen, gleich zusammen mit rund zwei Dutzend Pestiziden und krebsauslösenden organischen Chlorverbindungen (PCB), von denen erfreulicherweise Wildlachs nur etwa 10 % so viel enthält wie Zuchtlachs, den wir dummerweise überwiegend zu uns nehmen, wenn wir Lachs essen. Mit unserem beliebten Zuchtlachs nehmen wir ungefähr die zehnfache Dosis von Schadstoffen auf, die wir dann in unseren Fettreserven ablagern, um quasi als humanoide  Schadstoffdeponien durch die Gegend wandeln zu können.  Keine Sorge, es dauert geschätzt höchstens 50 Jahre, um im Körper diese Giftstoffe wieder loszuwerden. Da wir in Zukunft ja alle mindestens 120 Jahre alt werden sollen…, ein irgendwie überschaubares Problem. Wir können alternativ zum Fisch des Jahres Fleisch konsumieren, was wir Menschen gerne tun. Hier ist Amerika mal wieder „first“: Jeder Nordamerikaner verbraucht im Durchschnitt mehr als 90 kg Fleisch pro Jahr, mit „nur“ gut 60 kg sind wir Deutschen etwas hinten dran. Also einfach den Fleischverbrauch auf rund 250 g pro Tag (nordamerikanischer Durchschnittswert inkl. Säuglingen, Vegetarier etc.!) erhöhen und schon klappt‘s mit amerikanischen Werten, zumindest bei der Arteriosklerose und der Chance auf frühzeitige Erlösung durch Hirnschlag oder Herzinfarkt.

Und sollte eine Krankheit uns nicht sofort hinwegraffen und mal etwas lästiger sein, dann lassen wir uns einfach pflegen. Wir bräuchten halt nur ausreichend medizinisches und pflegerisches Personal, das sich um uns kümmert, wenn wir (wegen Verfettung, Alzheimer oder Alter) mal wieder so vor uns hinkollabieren. Um den drohenden Pflegenotstand hat sich 2019 unser emsiger Bundesgesundheitsminister gekümmert, der nach Mexiko jettete, als ein Regierungsflieger ausnahmsweise mal flog. Er fahndete dort in der Ferne nach Pflegepersonal, das es näher bald nicht mehr geben wird, wenn Polen und die Balkanländer „pflegerisch“ abgegrast sind.

Dennoch: Allemal eine erfolgreichere Regierungsarbeit als bei unseren lustigen Bergvolk-Nachbarn, die sich 2019 auf Ibiza in Form ihres famosen rechtsnationalen Vize-Kanzlers Strache vor den Augen einer amüsierten Öffentlichkeit selbst zerlegen und den Staat zum gefälligen Selbstbedienen einer falschen russischen Oligarchin vor die Füße werfen. Hinterher wird versucht, das Ganze als „b‘soff’ne G’schichdn“ abzutun und fegt die ganze Regierung…“bin dann mal KURZ“ weg. Sowas kommt von einer sorgsamen Bestenauslese bei der Staatsführung. Und über die SPD schreibe ich im Sinne der Bestenauslese beim besten Willen lieber nichts!

Fassen wir zwischendurch zusammen: wir vergiften unsere Welt und damit unser Essen. Wir vergiften unsere Herzen mit Abgrenzung, Wut und Hass auf Andersartiges. Das haben deutlich die rechtslastigen Wahlergebnisse in 2019 gezeigt. Mit diesen ängstlichen Herzen wählen wir dann narzisstisch gestörte Populisten zu unseren Anführern, damit die uns vor den psychopathologisch auffälligen Führern der Nachbarländer schützen. So etwas tut man in der ältesten Demokratie der Welt sogar freiwillig und macht sie zur Borisokratie. Wundert uns noch etwas im vereinigten Königreich? Sogar das Königshaus soll sich dort gerne selbst vereinigen, zumindest in Person von Prinz Andrew mit minderjährigen Gespielinnen. Allerdings baut dieses Verhalten, sollten die Vorwürfe stimmen,  ja wieder eine gewisse Nähe zur katholischen Kirche auf. Obgleich diese Nähe der beiden Kirchen nach dem Brexit eine Hilfe wäre, damit die beiden Ir(r)länder sich auch vereinigen. Dann müsste nur noch Schottland sich mit Grauen abwenden und das Thema „vereinigt“ wäre verdient erledigt für „Great Britain“. Vielleicht kann ich ja 2020 darüber berichten, dass der muntere Boris in Schottland einmarschiert ist, nachdem die Schotten ihr Separations-Referendum durchgezogen haben werden. Die nach französischer Ansicht „hirntote Nato“ könnte mit den verbleibenden Hirnzellen dann überlegen, was für eine Einstandspflicht daraus resultierte.

Etwas ferner, in Brasilien schafft es 2019, natürlich demokratisch legitimiert, Jair Bolsonaro im Januar an die Macht und konnte seinem zweiten Vornamen „Messias“ folgend, die frohe Botschaft verkünden, jetzt erst mal etwas Gas zu geben beim bisher zu schlaffen Abholzen der Regenwälder. Dies hatte er im Wahlkampf ebenso versprochen, wie freien Waffenbesitz und Austritt aus dem Weltklimaabkommen. Bis Juni, übrigens dem zufällig wärmsten Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnung, stieg die Zahl der Waldbrände in Amazonien über 88 % im Vergleich zum Vorjahr an. So löst der neue brasilianische Präsident pragmatisch Wahlversprechen ein: frisch im Januar zum Abholzen des Regenwaldes gewählt und im August 2019 verbrannten allein binnen fünf Tagen 471.000 Hektar Wald, Weiden und Felder im Amazonasgebiet.

Naja, könnten wir in unserem Mitteleuropa-Bullerbü denken, Amazonien ist ja nun wirklich weit weg, doch weit gefehlt: bis Mitte August brannten auf der Nordhalbkugel 13,4 Mio. Hektar Wald nieder und Waldbrände in der Arktis und in Russland nehmen 2019 geradezu biblische, also messianisch-bolsonarische Ausmaße an. Bisher in Europa eher unbekannte Wetterphänomene rücken näher, so im August Tornados über Luxemburg. Nein keine Bundeswehrtornados, die fliegen ja nicht und werden auch nie mehr fliegen können, jetzt wo Ex-Flinten-Uschi zur Euro-Uschi mutierte und Europa rettet statt der Bundeswehr. Es sind meteorologische Tornados gewesen in Luxemburg. Mal sehen bis wir es geschafft haben, einen waschechten Hurrikan aus dem nachahmungswürdigen Amerika zu importieren, dies wäre übrigens garantiert ein zollfreier Import ohne Risiko eines Handelskrieges.

Dies und vieles mehr reflektierend, könnten wir schon verstehen, dass Menschen mit längerer Lebenserwartung, auch Jugend genannt, auf die Barrikaden gehen. Wenn ich also noch einmal jung wäre, könnte ich als Schüler an den „Fridays for Future“-Veranstaltungen teilnehmen, um meine Zukunft zu retten. Nicht ganz sicher bin ich mir, ob ich mich von meinen Eltern im Porsche Cayenne zur Demo würde fahren lassen, die letzten paar 100 m zu Fuß navigierend mit meinem Smartphone in der einen Hand, meinen Starbucks- Pappbecher mit Kaffee in der anderen. Genauso kritisieren aber die „Alten“ die „Jungen“ oder man betreibt Bashing mit Greta, der Jahresikone 2019. Blöd wird’s dann mit dem „Bashen“, wenn Scherze über ihre Erkrankung gemacht werden. Trotzdem interessiert es mich herzlich wenig, ob Greta bei ihrer Bahnfahrt durch Deutschland auf dem Boden gesessen ist. Da sitze ich auch regelmäßig dank der erfolgreichen Bemühungen, Verkehr auf die Schiene zu bringen. Kritik allerdings sollte schon erlaubt sein an der Ikone Greta, wenn ein (wegen der notwendigen Rückflüge der Crew) letztlich CO2-aufwändiger Segeltörn über den Atlantik medial als klimatische Hilfsleistung verkauft wird.

Aber „Klicks“ zählen eben in der neuen Welt. Sie machen zwar keine Wahrheit, aber Mehrheit – und damit Meinung. Deshalb zählt heute die mephistophelische Meinungsmache mittelmäßiger Trendsetter, sog. Influencer, mehr als der gesunde Menschenverstand. Weil also die Botschaft mehr zählt als die gute Tat, lesen wir so wenig über den jugendlichen Holländer Boyan Slat (23), der bereits mit 16 das „Ocean Plastic Cleanup System“ erfand. Mit dieser Idee verfolgt er hartnäckig und erfolgreich das Ziel, die Ozeane vom Plastikmüll zu befreien. Ob dies für die Umwelt nicht doch nachhaltiger ist als Segeltörns über den Atlantik, kann jeder für sich selbst entscheiden.

Oder wir machen halt einfach weiter so: allerdings sollten wir nicht hoffen, dass es der Natur und uns so geht, wie dem Axolotl. Diesem Wundertier wachsen Arme, Beine, Teile seines Herzens und Gehirns nach. Statt in die Fähigkeiten eines Axolotl könnten wir unsere Hoffnungsenergie auf die weisen Führer unserer Welt lenken. Die reagieren ganz bestimmt richtiger und schneller als die Kommandobrücke der „Titanic“, die nach Sichtung des Eisbergs noch 30 Sekunden gewartet hat, bis sie den Kurs änderte. Und der Homo Sapiens ist doch in der Masse nicht so doof wie ein Bergsteiger, der gerade von der Eiger-Nordwand stürzt und in der Zeit bis zum Aufschlag denkt: „Ist doch noch gut gegangen bisher…“. Also folgen wir am besten weiter den Heilslehren eines wachstumsgetriebenen Weltwirtschaftssystems, frei nach dem Motto: „Wer glaubt, exponentielles Wachstum könne in einer endlichen Welt unendlich weitergehen, ist entweder ein Wahnsinniger oder ein Wirtschaftswissenschaftler.“

Die Advents- und Weihnachtszeit sollte die Zeit der Besinnung auf sich selbst und vielleicht auch auf das Gespräch zu Gott sein. Im Jahre 2019 habe ich viele praktische Möglichkeiten gesehen, dieses Gespräch direkter zu gestalten und eine spontane unmittelbare Nähe zu Gott zu erhalten. Exemplarisch genannt seien: einhändiges Fahren von Elektrokleinstfahrzeugen (E-Scootern) mit Smartphone in der freien Hand, dafür aber ohne Helm. Einhändiges Fahren von PKW’s ohne die vorhandene Freisprecheinrichtung, dafür aber Nutzung des Lenkrads als Handyablage zur Eingabe von Textnachrichten. Eine weitere, sehr oft gesehene und meiner Meinung nach höchst effiziente Maßnahme für unmittelbaren direkten Gesprächskontakt zu Gott ist das Queren von Fahrbahnen und Trambahngleisen als Fußgänger mit aufgesetztem Kopfhörer und gesenktem Blick auf das Smartphone (sog. audiophiles Down-Neck-Syndrom). All das stellt eine moderne Form der Meditation dar: Ablenkung von der bitteren Realität als spirituelle Hinwendung zu Gott: Weihnachtsfeeling pur!

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und lasst uns Kraft sammeln zwischen den Tagen: im Jahre 2020 werden wir sie brauchen, garantiert!

Barnabas Hinkjambus

Jahresendzeitgrüße 2018

Barnabas_2018

Der Weihnachtsmann kommt und bringt wieder einmal…

   …ganz andere Weihnachtsgrüße 2018

Der Dreistachlige Stichling ist Fisch des Jahres 2018. Dies ist zunächst als Ehre für diesen Fisch zu betrachten, nützt ihm aber möglicherweise relativ wenig, und das nicht nur, weil er von dieser Ehre mangels Bewusstseins wenig mitbekommt. Sein Hauptproblem dürfte neben seinem Mangel an Bewusstsein sein zunehmender Mangel an seinem Lebensraum Wasser sein. Das Leben eines Stichlings auf dem Trockenen ist eine ziemlich kurze Angelegenheit, was seine Hauptinteressen Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung betrifft und im Normalfall wie folgt abläuft: er frisst sehr gierig und pflanzt sich gerne fort. Zur Vorbereitung der Fortpflanzung baut er abhängig von seinem Testosteronspiegel mehr oder weniger schnell sein Nest, in das er nach Vollführung eines Zickzacktanzes ein paarungswilliges Weibchen lockt. Soweit sind einige Parallelen zu seinen ferneren Artverwandten, den einstachligen humanoiden Stichlingen zu ziehen, insbesondere was Paarungsverhalten und Lebensraum betrifft: kein Wasser, kein Weibchen, kein Zickzacktanz, kein Nest, keine Fortpflanzung, keine Zukunft!

Trockenheit als solches ist aber auch eine feine Sache: Eigentlich alle erstrebenswerten Freizeitaktivitäten sind entweder nur möglich oder zumindest viel schöner, wenn es nicht regnet. Wenn ich so zurückblicke, war 2018 in dieser Hinsicht wirklich ein hervorragendes Jahr! Und mit etwas Glück werden in dieser Hinsicht noch zahlreiche bessere Jahre folgen. Ein kleiner Vorteil im Lebensraum der Stichlinge: viel weniger Schiffsverkehr auf dem Rhein! Wo kein Wasser, da kein Schiffsverkehr! Wo kein Schiffsverkehr, da kein Sprit an den Tankstellen (den Zusammenhang kannte ich vor 2018 auch nicht)! Wo kein Sprit an den Tankstellen, da weniger CO2-Ausstoß im Straßenverkehr! Dies sollte eigentlich langfristig wieder für mehr Wasser im Rhein sorgen, also zumindest dann, wenn wir einen Zusammenhang zwischen menschlichem Verhalten und Wandel des Klimas herstellen wollen.

Es existieren jedoch Menschen auf dieser Welt, die keine Verbindung herstellen wollen zwischen Mensch und Klima, weil Klima und Klimawandel gab‘s schon immer, den Menschen erst später. Den 100-prozentigen Zusammenhang zu beweisen fällt sehr schwer und deshalb kann man als Präsident der gerade noch größten Volkswirtschaft dieser Erde diesen Zusammenhang heftig leugnen. Eine Klimaforscherin der Universität Oxford konnte allerdings aktuell im Wege der sogenannten Zuordnungsforschung Wahrscheinlichkeiten des menschlichen Beitrags für Hitzewellen sehr konkret berechnen: eine doppelte Wahrscheinlichkeit in Dublin, eine dreifache in Utrecht und eine fünffache in Kopenhagen, Tendenz eher steigend.

Zurück zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Wirklich ein sehr lustiges Land, diese USA, zumindest wenn man ausreichend Geld und Trinkwasser besitzt. Unterhaltsam an diesem Land finde ich beispielsweise, dass dort oberste Richter vor ihrer Ernennung (so der jetzt ehrenwerte oberste Richter Brett Kavanaugh) nicht mehr auf das Volk, die Verfassung oder die Bibel schwören, sondern zur Erlangung ihres Amtes eidesstattlich in den Medien versichern: „Ich hatte keinen Geschlechtsverkehr in der Schule und viele Jahre danach – und auch nichts, was Geschlechtsverkehr nahekommt“. Ganz anders als sein oberster Boss, der mit allem prahlen würde, was auch nur die flüchtigste Nähe zu Geschlechtsverkehr besitzt, egal wann, wo und mit wem. Übrigens sein Boss ist dieser Typ, der eine sehr pragmatische Einstellung zu juristischen Themen aller Art pflegt. So konnte dieser für sich im Jahre 2018 für den unwahrscheinlichen Fall, dass Ermittlungen gegen ihn Erfolg haben könnten, feststellen: “…dass ich als Präsident das absolute Recht habe, mich selbst zu begnadigen“.

Nicht Gebrauch gemacht von seinem präsidialen Begnadigungsrecht hat er allerdings bei einem gewissen Walter Leroy Moody. Diesem 83-Jährigen wurde daraufhin am 19. April 2018 die Ehre zuteil, als ältester Häftling seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA hingerichtet worden zu sein. Ehrungen dieser Art werden seit 1977 in Europa nicht mehr verliehen. Für die letzte Hinrichtung in Westeuropa durfte sich ein tunesischer Zuwanderer in Frankreich per Fallbeil in die Annalen der Geschichte eintragen lassen. Wollen wir hoffen, dass seine Hinrichtung nichts mit seiner Herkunft aus einem „Dreckslochland“ („dirty hole country“) zu tun hatte. Verzeihung, dieser Begriff ist nur ein Zitat und stammt vom mächtigsten Mann der westlichen Welt, der 2018 u.a. dafür warb, eher Norweger ins Land zu holen als Menschen aus „Dreckslochländern“ wie Afrika.

Das finde ich im Übrigen so klasse an der Demokratie: man muss sich nur wählen lassen und wenn man dann an der Macht ist, kann man ungestraft per Twitter weltweit Beleidigungen, Drohungen und Narreteien von sich geben. Höhepunkt 2018: „Ich habe den größeren… (Atomknopf)!“ Und kurz danach schütteln sich diese beiden Polit-Trolle begeistert die Hände und „The Donald“ kann seinen verzückten Anhängern „The Deal“ mit dem nordkoreanischen Atomzwerg verkünden. Ob der Deal wirklich so toll war, wird die Zukunft zeigen. Das obige Bild fällt zugunsten Nordkoreas aus: vier nordkoreanische Fahnen gegen drei amerikanische!

Angesichts dieser eigenwilligen amerikanischen Umsetzungsvariante der Herrschaft der Besten kann ich verstehen, dass zuletzt die Wahlergebnisse des 6. Novembers 2018 in den USA amerikanische Intellektuelle in die geistigen Arme des Philosophen Alexis de Tocquevilles treiben. Dieser französische Philosoph sprach vor knapp 200 Jahren im Zusammenhang mit aufkeimenden demokratischen Ideen von der „Ty­ran­nei der Mehr­heit“, in der die Men­schen ein­an­der glei­chen und sich je­der nur noch um sich selbst dreht…. Weise gesprochen denken sich da die zahlreicher werdenden Diktatoren dieser Welt, ersparen wir uns die Tyrannei der Mehrheit und konzentrieren uns lieber auf die Herrschaft eines einzelnen, das ist allemal effizienter, …optimal geklappt hat das 2018 z.B. in China, der Türkei und Russland! Böse Zungen meinen, Erdogan und Putin hätten die Gemeinsamkeit, gerne Wahlen zu türken!

Eine echte Wahl gab es bei der Parlamentswahl in Grönland und einen klimatischen Zusammenhang mit der Präsidentenwahl in Russland auch: Grönland taut dank des globalen Klimawandels auf und Russland trotzt als einziges Land dem Klimawandel und fällt in einen politischen Permafrost. Leider kann der schöne französische Präsidentenprinz, der fast hätte Europa retten können, das russische Demokratiedornröschen gerade nicht aus dem eisigen Winterschlaf wachküssen. Der französische Prinz ist zu sehr durch Konflikte mit Gelbwesten beschäftigt. Aus diesem Grunde wird zurzeit auch empfohlen, als deutscher Autofahrer Pannen in Frankreich unbedingt zu vermeiden. Gewohnt, im Pannenfall sofort eine gelbe Warnweste überzuziehen, sind bereits mehrere deutsche Bürger Opfer von Übergriffen französischer Sicherheitskräfte geworden. Verschlagene AfD-Politiker sind deshalb auf die geniale Idee gekommen, für unbedarfte Immigranten kostenlose Gruppenausflüge in das französische Elsass anzubieten. Einzige Bedingung: das Tragen gelber Pannen-Westen.

Und neben diesem üblichen Alltagswahnsinn läuft ein Umbruch um uns herum ab, der alles verändert: die totale Herrschaftsübernahme der Algorithmen über die kohlenstoffbasierten Lebewesen wie Stichlinge und Menschen.

Einen ganz perfiden Algorithmus setzen inzwischen Eurowings und die Deutsche Bahn bei ihren geschätzten Kunden ein. Vordergründig dient dieser Algorithmus dazu, Verspätungen exakt so zu terminieren, dass für Passagiere die Möglichkeit, von ihren Passagierrechten Gebrauch zu machen, um wenige Minuten verfehlt wird. Hintergründig scheint es sich um einen permanenten Großversuch zu handeln, zur Gewaltprävention das Aggressionspotenzial quasi dauerhaft in homöopathischen Dosen zu trainieren. Wir kennen so etwas von Desensibilisierungsbehandlungen bei allergiegeplagten Menschen.

Volkszermürbung durch ständiges Warten, wie „warten bis der Arzt kommt“, „warten bis die Crew kommt“, „warten bis die Bahn kommt“… Übrigens führt letzteres dazu, dass Bahnstreiks von vorneherein zur Erfolglosigkeit verdammt sind, weil Bahnreisende Streiks für ganz normale Verspätungen halten. Wir sind 2018 Weltmeister im Warten geworden, leider nicht im Fußball: „Warten bis die GroKo wiederkommt“, „warten bis die britischen Separatisten nach Europa zurückkriechen“, garniert mit dem ständigen „Warten auf deutschen Autobahnen“ mittels garantierter Staus durch die Verlagerung von Lagerhaltung auf die Straße („Just-in-Time-Produktion“). All dies stellt offensichtlich eine ausgeklügelte politische Präventionsarbeit dar. Das deutsche Volk ist durch das ständige Heranführen an seine Toleranzgrenzen durch ausdauerndes Warten emotional so ausgezehrt, dass es niemals auf die Idee käme, Widerstand zu leisten oder sich gelbe Westen außerhalb von Pannenfällen anzuziehen: genial!

Gelegentlich frage ich mich, ob die ständig zunehmende Mobilität ebenfalls zu einem durchdachten Plan gehört. Deutsche Beschäftigte werden permanent auf Geschäftsreisen gesandt, um in irgendwelchen Sitzungsräumen auf das Ende langwieriger Sitzungen zu warten. Kurz bevor diese Menschen wahnsinnig werden und aufeinander losgehen, wird ein reichhaltiger Imbiss angesetzt, der die Menschen dann ausreichend satt und träge macht. Diese Imbisse sind im Regelfall so überreich bemessen, dass mindestens zwei Drittel davon weggeworfen werden, was wiederum inklusive Nahrungsmittelerzeugung, Transport etc. zu mehr Staus und Warten sowie zu einer nachhaltigen Erhöhung der CO2-Emissionen führt. Letzteres zieht dann die bereits erwähnten Trockenheitsvorteile für Freizeitbeschäftigungen nach sich: Der dreistachlige Stichling allerdings, der wird sich bedanken!

Stichling hin oder her: Ein mit Warten und angenehmer Freizeitgestaltung ruhig gehaltenes Volk begehrt niemals auf! Deshalb: Bleibt ruhig, egal, was 2019 passiert!

Ein gesegnetes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und ein friedvolleres Jahr 2019!

Barnabas Hinkjambus